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Norddeutsche Neueste Nachrichten "Fettsteuer" bekämpft nicht die Ursachen von Übergewicht

Von Wilfried Freier,;stellv. Vorsitzender Landesverband ;Adipositas MV e.V., Rostock | 23.11.2013, 03:08 Uhr

zu: "Gehts den Deutschen an den Speck?" (Ausgabe vom 19.

November)Eine Schnapsidee. Leider scheint eini gen Bundestagsabgeordneten zum Thema "Krankhaftes Übergewicht" nichts Sinnvolles einzufallen. Die Fettsteuer bedeutet doch nichts anderes, als den Betroffenen wirkungsvolle Hilfe zu verweigern. Wäre es nicht besser, die Ursachen zu bekämpfen?

Ich sehe es genauso wie Dr. Zimny: Ein Anfang wäre die Lebensmittel ampel, welche durch sehr geschickte Lobbyarbeit der Lebensmittelindustrie verhindert worden ist. Der Kompromiss wird kaum zielführend sein: Wer nimmt sich schon die Zeit, das sehr Klein gedruckte auf den Packungen zu lesen. Viele, besonders alte Menschen, benötigen dann eine Lupe, um die Angaben überhaupt entziffern zu können.

Die Aussage, die Prozentzahlen der Schuleingangsuntersuchungen würden seit Jahren konstant sein, kann ich nicht nachvollziehen. Aus den Zahlen, die mir vorliegen, geht ein stetiger Anstieg hervor. Die Situation im Verlauf der Schulzeit spricht aber eine noch dramatischere Entwicklung an. In der 4. Klasse haben wir bereits 25 Prozent übergewichtige und adipöse Kinder, in der 8. Klasse 50 Prozent. Sollten wir uns da nicht die Frage stellen, woran das liegt?

Liegt es nur daran, dass das Schulessen selten den Qualitätsstandards entspricht oder die Kinder zu wenig Bewegung haben? Hier ist die Initiative des Verbandes der Sportlehrer zu unterstützen - täglich eine Stunde Bewegung an der Schule.

Eine Grenze ist mit dem Aufstellen von Snack- und Getränkeautomaten in Schulen, wie wir sie von Bahnhöfen und Flughäfen kennen, überschritten worden. Hier wäre dringendes Handeln von der Politik angezeigt.

Ein Anfang wäre, die Erkrankung Adipositas endlich in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen, was leider seit zehn Jahren durch die Bundesregierung verweigert wird. Ist es nicht besser, Kompetenznetzwerke einzurichten, um den Menschen Antworten zu geben? Auch wäre es angebracht, endlich die betroffenen Patienten in die Politik bundesweit mit einzubeziehen. In Mecklenburg-Vorpommern laufen in diesem Bereich bereits Gespräche.

Allerdings kann es nicht nur um K inder gehen. Wie viele Ausfallzeiten entstehen der Industrie durch die Behandlung der vielfältigen Neben erkrankungen von Adipositas, wie Diabetes, Herz- und Kreislaufstörungen? Auch da brauchen wir ein wirkungsvolles Vorgehen.

Es gibt viel zu tun, die Krankheit Adipositas nicht ausufern zu lassen. Aber leider werden die Patienten alleine gelassen oder mit wirkungslosen Vorschlägen gequält.