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Rostock Finanzsenator setzt auf Hafenwirtschaft

Von Katrin Zimmer | 28.06.2018, 05:00 Uhr

Schiffbau, Kreuzfahrttourismus und maritime Veranstaltungen sind der Motor der Region. Finanzsenator will bestehende Firmen stärken.

Von einzelnen Bauteilen auf der Werft über Kreuzfahrttourismus bis hin zum ersten Cruise Festival: Über die Bedeutung der maritimen Wirtschaft in Rostock und der Region haben rund 150 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Tourismus gestern beim 1. Branchenlunch der Rostock Marketing Initiative an Bord der „Aidadiva“ diskutiert. Ziel der Stadt ist laut Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) in erster Linie nicht, noch mehr Unternehmen in die Region zu holen, sondern die bestehenden zu fördern.

„Wir wollen die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, um die maritime Wirtschaft in Rostock zu stärken. Dazu zählen die Seekanalvertiefung, die Erweiterung des Werftbeckens in Warnemünde sowie die Entstehung des Ocean Technology Centers“, sagt der Senator. Auch komme Rostock nicht daran vorbei, an seinen Kreuzfahrthäfen den Antrieb mit Landstrom und Flüssigerdgas (LNG) anzubieten. Derzeit bilden 300 Unternehmen mit mehr als 10 000 Beschäftigten die maritime Wirtschaft in der Region, so der Senator. Sie generieren einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Eines der stärksten Zugpferde ist neben der Werftarbeit die Kreuzschifffahrt. Laut Tourismusdirektor Matthias Fromm bringt jeder Anlauf in Rostock und Warnemünde zirka 300 000 Euro Wertschöpfung in die Stadt. „Die fließen in Hotels, Gastronomie und den Einzelhandel“, so Fromm. Geplant sind in dieser Saison 206 Anläufe von 44 Schiffen mit mehr als einer Million Besuchern.

Marktführer im Kreuzfahrtgeschäft ist das Unternehmen Aida mit Hauptsitz in Rostock. Derzeit zählt der Spitzenreiter 11 400 Mitarbeiter, davon 10 000 an Bord seiner 12 Luxusliner, so Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Bis 2023 sollen für je eine Milliarde Euro drei weitere Kreuzfahrtriesen entstehen, jedes rund 2000 neue Arbeitsplätze generieren, so Kunze. Schon im November soll die „Aidanova“ den Betrieb aufnehmen, die zu Teilen in der Neptun-Werft gebaut wurde. Sie ist das erste Kreuzfahrtschiff weltweit, das komplett mit LNG betrieben werden kann.

Die Bedeutung der Neptun-Werft unterstrich gestern auch der ehemalige Geschäftsführer Manfred Müller-Fahrenholz. „Rostock wäre nicht so weit gekommen, wenn es die maritime Wertschöpfung nicht gegeben hätte“, sagt er. Zudem untermauerte er die Bestrebungen von Rostock Port-Geschäftsführer Jens Aurel Scharner, einen „Industrieverbund Warnow“ zu gründen. Er soll sicherstellen, dass Flächen in direkter Hafenlage für Gewerbe reserviert werden. „Wohnen kann ich auch einen Kilometer vom Wasser weg, Schiffe bauen aber nicht“, so der Werftexperte.

Ein weiteres Geschäftsfeld der maritimen Wirtschaft will Andreas Grunszky, Geschäftsführer der Beeftea Group, mit dem Rostock Cruise Festival erschließen. Die dreitägige Veranstaltung soll in Anlehnung an die etablierten Port Partys vom 14. bis 16. September mit Musik und Tagesaufenthalten auf Kreuzfahrtschiffen, einer großen Auslaufparade und Familienfest zusätzliche Besucher in das Ostseebad locken.