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Ein Artikel der Redaktion NNN

Proteste Flüchtlingsfrage spaltet Rostock

Von TOHI | 18.10.2015, 21:00 Uhr

Bei den beiden Goßdemos am Sonnabend in der Hansestadt prallen die Meinungen aufeinander – Solidarität gegen die Angst vor Überfremdung

Eine Stadt der Kontraste: Während am Sonnabend auf dem Neuen Markt und in der Marienkirche je rund 500 Demonstranten ihre Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet haben, versammelten sich vor dem Hauptbahnhof bis zu 1800 Gegner der aktuellen Zuwanderungspolitik. Mit diesem Zulauf aus dem ganzen Land hatten weder die veranstaltende AfD noch die Polizei gerechnet – angemeldet waren 200 Teilnehmer.

Maßgeblich an diesem Wandel beteiligt sind die Initiativen „Rostock hilft“ und „Rostock nazifrei“, die den Gegenprotest zusammen mit der Innenstadtgemeinde organisiert hatten. Ihr Motto: „Rostock hetzt nicht, Rostock hilft“. „Das machen aktuell die vielen Menschen deutlich, die vom Stullenschmieren über Unterkünfte herrichten bis zur Essensausgabe helfen“, sagt Anette Niemeyer von „Rostock nazifrei“. Diese„herausragende Arbeit“ lobte auch Pastor Tilman Jeremias von der Innenstadtgemeinde während der interreligiösen Andacht in der Marienkirche. Er sagt: „Allen Menschen kommt die gleiche Würde zu, unabhängig von ihrer Religion.“ Der Zustrom Schutzbedürftiger dürfe nicht für ausländerfeindliche Hetze instrumentalisiert werden.

Davor warnt auch Dr. Maher Fakhouri, Vorsteher der islamischen Gemeinde: „Wir dürfen uns diese wunderbare Wandlung der Stadt von Lichtenhagen 1992 bis heute nicht kaputt machen lassen.“ Der neue Landesrabbiner Yuriy Kadnykov: „Wir sollten die Geschichte hinter jedem Menschen sehen und dann lassen wir unsere Herzen offen sein.“