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Rostock Friedhofs-Dieb vor Gericht

Von Ise Alm | 27.11.2012, 08:13 Uhr

Einer der bekanntesten Rostocker Diebe hat gestern erneut auf der Anklagebank Platz nehmen müssen.

Sein Strafregister reicht bis weit in die DDR-Zeit zurück. Die Rostocker Staatsanwaltschaft wirft dem 53-jährigen Ingolf Dietmar B. in dem neuen Verfahren vor, im Zeitraum vom 2. September 2011 bis zum 11. Juli 2012 zwölf Straftaten begangen zu haben. Er soll auf dem Neuen Friedhof in unbeobachteten Augenblicken älteren Damen, die die Grabstätten ihrer Angehörigen pflegten, Handtaschen, Jacken und auch einen Rucksack gestohlen haben. Die Beute war erheblich. Die Opfer hatten Handys, Bargeld und EC-Karten mit PIN dabei.

Der erste Diebstahl wurde am 2. September 2011 gemeldet, der etwa in der Zeit um 10.30 Uhr stattfand. Der Handtaschenräuber erbeutete mit der Tasche 80 Euro in bar sowie eine EC-Karte der Sparda-Bank. Schon um 12.53 Uhr holte der Täter 770 Euro ab. Drei Minuten später 229 Euro und dann noch einmal 76 Euro. Am 17. November folgte der zweite Diebstahl. Die 62-jährige Regina M. meldete den Diebstahl ihrer Handtasche mit Ausweisen, Brieftasche, 100 Euro Bargeld, Handy und EC-Karte. Das Handy wurde noch am selben Tag in Hamburg verkauft. Dann kam der Winter, die Friedhofsbesuche wurden seltener. Im April begann die neue Saison - und von da an gingen täglich Anzeigen ein.

Manche Opfer hatten Bargeld in Höhe von 150 und 200 Euro dabei. Insgesamt räumte Ingolf Dietmar B. 3123 Euro von den Konten der älteren Damen ab. Auf einigen Überwachungskameras war sein Konterfei deutlich zu erkennen, sodass es für die Ermittler kein Problem war, den Dieb zu identifizieren. Ihn zu finden, war aber eine andere Sache. Erst am 18. Mai 2011 war er aus der JVA Bützow entlassen worden. Bis September 2011 erfüllte er alle Auflagen. Ab Oktober 2011 war er wie vom Erdboden verschwunden.

Ingolf Dietmar B. räumte gestern zehn der Straftaten ein. Sein Verteidiger trat indessen vor Gericht sehr emotional auf. Der Rostocker Anwalt sprang während der Gerichtsverhandlung auf, haute mit den Fäusten auf den Tisch und beschimpfte die Richterin mit den Worten: "Gott, lass Hirn da." Der Prozess wird am 13. Dezember fortgesetzt.