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Östliche Altstadt Frischekur für das Kanalnetz

Von Maria Pistor | 16.09.2011, 10:10 Uhr

Die Erneuerung des Regenwassersammlers und die Neuverlegung eines Schmutzwasserkanals in der Grubenstraße erweisen sich als deutlich kniffliger als vorher vermutet.

Die Eurawasser und der Warnow-Wasser- und Abwasserverband kommen daher nicht mit den veranschlagten 2,1 Millionen Euro aus. Auch einen Zeitverzug kalkulieren sie ein. "Wir hoffen aber, dass wir aufholen und trotzdem bis Dezember fertig werden", sagt Gabi Kniffka, Eurawasser-Sprecherin. Die Prüfung des Munitionsbergungsdienstes war notwendig in dem ehemaligen Bombenabwurfgebiet. "Aber wir haben zum Glück keine Munition, sondern nur ein ungefährliches Stück Eisen gefunden", sagt Udo Schultz, Bauverantwortlicher von Eurawasser.

Feldsteine halten die Arbeiten auf

"Wir sind bei den Bauarbeiten auf unerwartete Hindernisse gestoßen", sagt Schultz. Gerade hinter dem Krahnstöverhaus sind im Erdreich schwere Feldsteine gewesen, die vorsichtig entfernt werden mussten, um die Standfestigkeit des Hauses nicht zu gefährden. Bei allen Schritten gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalpflegeamt. Weil hier die Fernwärmeleitung für das Haus verlegt worden ist, werden zur Befestigung Kammerdielen aus Eisen eingesetzt, die mit Spundbohlen befestigt werden.

Die Neuverlegung eines Schmutzwasserkanals mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern erfolgt auf einer Länge von 150 Metern mit einem unterirdischen Rohrvortrieb. Von einem Betriebscontainer aus fährt die Bohrmaschine Rohre aus Glasfaserkunststoff mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern in die Tiefe. Das geschieht mit einem so genannten hydraulischen Pressenrahmen und einem Microtunneling-Verfahren. Das ist wichtig, um den Schmutzwassersammler im vorhandenen Regenwassersammler von 1874 hinterher abbrechen zu können. "Das ist unüblich, hier aber notwendig", sagt Gabi Kniffka. Erst nach Inbetriebnahme des neuen Schmutzwassersammlers kann der alte Kanal, der einem Sarkophag gleicht, zurückgebaut werden. Und dann erfolgt im Anschluss die Sanierung des Regenwassersammlers mit Glasfaserkunst stoffrohren. Sie bieten den Vorteil, dass sie aus relativ leichtem Material, aber trotzdem sehr stabil sind. Sie sind 1,90 Meter hoch und 1,40 Meter breit und bestehen aus einem Ei-Profil. Der Name ist von der Form abgeleitet. Als Bauleiter fungiert Fabian Voll von Dorsch Consult. Er hat Erfahrungen mit kniffligen Baustellen. Parallel ist er Ansprechpartner in der Warnemünder Alexandrinenstraße. "Die Anwohner reagieren trotz der Einschränkungen sehr verständnisvoll", sagt Voll.

Nach Abschluss der Arbeiten will die Hansestadt den Wasserlauf der Grubenstraße im kommenden Jahr wieder betreiben.

>> Zur Strecke und Historie

Rostock verfügt über ein flächendeckendes Kanalnetz von rund 900 Kilometern Länge. Die Eurawasser Nord GmbH betreibt in der Hansestadt etwa 150 Kilometer Mischwassersammler, 315 Kilometer Regenwassersammler und 420 Kilometer Abwasserkanäle. Der historische Regenwassersammler in der Grubenstraße ist von 1874, hat einen Durchmesser von 1,60 mal 2,10 Meter. Früher war er ein schiffbarer Kanal, der danach als geschlossener Regenwassersammler gebaut worden ist, damit die Hafenbahn hier langfahren konnte. Die 550 Meter lange Grubenstraße stellt die historische Grenze zwischen den einstigen Teilstädten Alt- und Mittelstadt dar.