Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Fischereihafen Rostock Für die Forschung unter Wasser vor Nienhagen

Von Reiner Frank | 28.01.2020, 20:00 Uhr

Prof. von Lukas über das Projekt Ocean Technology Campus. Was im Fischereihafen und am künstlichen Riff dafür entsteht.

Der Rostocker Fracht- und Fischereihafen wird in den nächsten Jahren eine Basis der Unterwasserforschung. Den Weg zum Ocean Technology Campus, die Perspektiven und die Aufgaben, veranschaulichte Prof. Dr. Uwe Freiherr von Lukas, Standortleiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Rostock, bei einer Veranstaltung der DVWG.

Am Hafenbecken Süd in Marienehe, wo alte, gegenwärtig zum Teil noch genutzte Gebäudetrakte an die Anfänge des Fischkombinates erinnern, werden an der Kaikante mit dem Neubau dieses Fraunhofer- Instituts auch Wellenbecken, Labore und Werkstätten wachsen.

Insgesamt eine 24-Millionen-Investition, die Ende vergangenen Jahres ausgeschrieben wurde. Der Baubeginn des Komplexes mit seiner Operationszentrale, von der alle Unterwasser-Projekte vorzubereiten und zu überwachen sind, wird 2022 angesteuert.

Digital Ocean Lab am künstlichen Riff

Neben der landseitigen Infrastruktur entsteht wenige Seemeilen weiter westlich in Anbindung an das künstliche Riff in Nienhagen das so genannte Digital Ocean Lab, das die Entwicklung und Erprobung von Unterwassertechnik unter realen Bedingungen im Meer ermöglicht. Vorgesehen sind verschiedene Unterwassertestfelder, mit denen Einsatzmöglichkeiten unter Wasser erprobt werden können.

Von dort aus sollen Tauchroboter, autonome Unterwasserdrohnen sowie Steuerungs- und Bilderkennungssysteme getestet und weiterentwickelt werden. Die Umweltbedingungen im Meer wie Salzwasser, Druck und Strömung erfordern schließlich intensive Praxistests für die Unterwassertechnik.

Ziel sei es, Meere und Ozeane intensiver zu nutzen und gleichzeitig ökologisch zu entlasten, erklärt von Lukas. Anwendungsgebiete wären beispielsweise der Tiefseebergbau, das Verlegen von Unterseekabeln und -leitungen, aber auch die Suche und Räumung von Munitionsaltlasten. Der Wissenschaftler verweist zum Beispiel auf den wachsenden Markt der maritimen Aquakultur, auf den Aufbau von Frühwarnsystemen für Öl- und Gasanlagen, auf notwendige Datennetze für die Erkundung des Meeresbodens.

Testgelände unter Wasser

Vielfältige Aufgabenfelder zeichnen sich für die Forschungen ab. Prof. von Lukas nennt dafür fünf Säulen einer offenen Struktur - von der Akademie für Ausbildung, Studium und Training bis hin zur Grundlagenforschung und Aufgaben als Wissenschafts-Transfer-Zentrum.

An der Infrastruktur am künstlichen Riff von Nienhagen würde praktisch das eigene Unterwasserlabor andocken, ein Testgelände, das auch im wahrsten Sinne des Wortes zu 98 Prozent unter Wasser aufgebaut werde und den Betrieb des Seebades nicht berühre, betont der Wissenschaftler. Allein die Verkabelung für das Strom- und Datenübertragungsnetz in bis zu 15 Metern Wassertiefe erfordere Investitionen von drei Millionen Euro.

Weitere Partnerschaften könnten sich entwickeln

Das Gesamtvolumen für den Aufbau des Ocean Technology Campus wird mit über 60 Millionen Euro beziffert. 27 Mitarbeiter werden zunächst im Forschungscampus ihre Arbeit aufnehmen. Daneben würden auch die Synergien zu potenziellen Partnern genutzt – einmal mit einigen der 72 Institute der Fraunhofer-Familie mit ihren inzwischen knapp 27.000 Mitarbeitern, aber auch mit Unternehmen aus dem Umfeld.

Mit dem Thünen-Institut für Ostseefischerei, dem Institut Fisch und Umwelt, den Baltic Tauchern, der Tamsen-Werft und weiteren Betrieben und Institutionen gebe es bereits Berührungspunkte. Weitere Partnerschaften könnten sich durch Ansiedler des künftigen Gewerbeparks auf dem Areal des alten Schlachthofs ergeben.

Als Glücksfall für die Hansestadt bezeichnet Christian Weiß von Rostock Business während des DVWG-Forums diese Entwicklungsaussichten zum Standort der digitalen Unterwasserforschung.