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Ein Artikel der Redaktion NNN

Hilferuf Fußball in Wahrstorf vor dem Aus?

Von ANNS | 19.03.2015, 12:00 Uhr

Verein in der Gemeinde Pölchow fehlt das Geld. Verantwortliche versuchen, Mannschaft durch letzten Hilferuf zu retten.

Mit einem Hilferuf wendet sich Sandra Rokita an die NNN: „In diesem Jahr feiert der LSV Wahrstorf sein 40-jähriges Bestehen. Nun droht das Jubiläumsjahr des Fußballvereins aber zeitgleich auch sein Sterbejahr zu werden. Das will ich nicht tatenlos mit ansehen, schließlich ist der Verein meine zweite Familie“, so die Worte der 41-Jährigen. Seit zwei Jahren ist die gesamte Familie bei fast jedem Spiel dabei, Schwiegersohn Enrico Dunsky schießt als Stürmer die Tore des Klubs. Doch was ist mit dem Traditionsverein passiert, dass die Lichter in Wahrstorf im Sommer auszugehen drohen?

„Das Hauptproblem ist das Geld. Nach dem Ausstieg unseres Hauptsponsors klafft ein Loch von mindestens 7000 Euro. Bei dieser Summer darf der Rasentraktor aber nicht kaputt gehen, auch neue Bälle sind nicht drin“, sagt der Vereinsvorsitzende Tom Wilhelm. Von der Gemeinde und der Politik fühlte sich der 50 Mitglieder starke Verein in der Vergangenheit im Stich gelassen. „Da sind wir auf uns allein gestellt. Von offizieller Seite war seit Jahren niemand mehr bei einem Heimspiel“, sagt der 32-Jährige. Dennoch schaffte es der Verein in der Vergangenheit immer, den Saisonetat zusammenzutragen. Den größten Anteil daran hatte Uwe Schröder, der den Verein jährlich mit 5000 bis 10 000 Euro unterstützte. „Damit habe ich dem LSV Wahrstorf in zehn Jahren inzwischen 75 000 bis 100 000 Euro zur Verfügung gestellt“, überschlägt der Unternehmer. Für den 46-jährigen Papendorfer hat der Rückzug zum Saisonende ausschließlich private Gründe. „Nach so langer Zeit ist die eigene Interessenlage einfach anders. Mein 14-jähriger Sohn spielt zudem mittlerweile selbst Fußball, aufgrund der fehlenden Nachwuchsarbeit allerdings in einem anderen Verein“, so Schröder. Auch seinen Vorstandsposten als Kassenwart hängt der 46-Jährige an den Nagel. Aus dieser Position heraus kann Schröder die missliche Lage des Vereins allerdings nachvollziehen. „Von der Gemeinde erhalten wir 1500 Euro jährlich. Da jeden Monat 100 Euro Miete an das Amt fällig werden und für Versicherungen 300 Euro im Jahr nötig sind, bleibt nichts übrig“, sagt der Unternehmer. Allein durch die Mitgliedsbeiträge ließe sich der LSV nicht halten. Mit dem Verein oder der Gemeinde hat sich Schröder nicht überworfen, überlässt letzterer das Inventar der ebenfalls von ihm betriebenen Vereinskneipe unentgeltlich.

Auch Tom Wilhlem macht den jetzigen Entscheidungsträgern keine Vorwürfe. „Irmgard Rautenberg, die erst seit einigen Monaten Bürgermeisterin ist, trifft die wenigste Schuld“, betont der Elmenhorster. Dennoch ist das Einlenken der Gemeinde seine letzte Hoffnung. „Nur, wenn sie zusagt, den Spielbetrieb finanziell abzusichern, ist der Verein zu retten.“

Doch Bürgermeisterin Rautenberg sind die Hände nach eigener Aussage gebunden. „Ich kann nicht mehr Geld zur Verfügung stellen, da sind wir als Gemeinde mit wenig Gewerbesteuereinnahmen an die Kreisumlage gebunden“, stellt sie klar. Zudem verweist die Pölchowerin auf die Feuerwehr sowie den Gemeindeverein, die ebenfalls aus der Kasse unterstützt werden müssen. Als sich die Bürgermeisterin nach Möglichkeiten der Unterstützung erkundigte, erhielt sie zur Antwort, dass aufgrund der Größe des finanziellen Lochs und weil sich kein neuer Vorstand finde, nichts getan werden könne.

Dennoch haben der Vorstand und Familie Rokita die Hoffnung längst nicht aufgegeben. „Die Mannschaft und das einmalig familiäre Klima im Team sind es wert, dass wir für sie kämpfen. Ich habe extra schon Lotto für die Jungs gespielt, damit mein zehnjähriger Sohn Julien vielleicht doch irgendwann noch in Wahrstorf Fußball spielen kann“, sagt Sandra Rokita.