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Rostock Gefährliche Urlaubs-Mitbringsel

Von Dana Bethkenhagen | 27.11.2012, 10:35 Uhr

Jeder Mensch wird von tausenden Parasiten besiedelt.

Doch das bemerkt er in der Regel nicht, denn die meisten Schmarotzer sind völlig ungefährlich für den Menschen. Nur einige wenige können den Organismus erheblich schädigen. Und genau solchen sind die Mitarbeiter im parasitologischen und tropenmedizinischen Labor am Uniklinikum Rostock auf der Spur.

In der Ernst-Heydemann-Straße werden täglich Diagnosen gestellt. Für die Mitarbeiter ist es immer spannend, wenn es positive Befunde wie Malaria, Pneumocystis-Pneumonie oder verschiedene Wurmerkrankungen gibt. Im Jahr landen bis zu 6000 Blut- und Kotproben aus ganz Deutschland im Rostocker Labor. Auch das Landesgesundheitsamt kooperiert mit der Einrichtung. "Es gibt bundesweit nur wenige Möglichkeiten, sich in diesem Bereich fortzubilden. Das Labor ist darum bundesweit ein Magnet für Nachwuchsmediziner", sagt Prof. Emil Reisinger, Direktor der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten. Auch international pflegt das Labor wissenschaftliche Kooperationen. Es gibt so etwa eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Kamerun, die regelmäßig auch in Rostock forschen.

Nach Monaten oder Jahren kommen Beschwerden

Doch nicht nur das Diagnostizieren gehört zur täglichen Arbeit im Labor, sondern auch die Forschung. Die Diplom-Biologin Martina Sombetzki hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der so genannten Schistosomiasis oder auch Bilharziose beschäftigt, eine Wurmerkrankung, die in tropischen Binnengewässern übertragen wird. "Die Schistosomiasis gehört zu den wissenschaftlich vernachlässigten Tropenerkrankungen, weil die etwa 200 Millionen Erkrankten in den Tropen leben und sich Medikamente oft nicht leisten können", so die 35-Jährige. In Afrika, Asien und Südamerika gibt es fünf verschiedene Erreger der Schistosomiasis, die für den Menschen gefährlich werden können und jeweils zu unterschiedlichen Symp tomen führen. Dazu können etwa juckende Entzündungen der Haut, Fieber, Gewichtsverlust und Verdauungsstörungen zählen. Nach Monaten oder Jahren können zudem Schäden an Leber, Milz, Niere und Harnblase auftreten.

Junge Wurm-Larven reifen je nach Erreger in einer bestimmten Art von Süßwasserschnecke heran und dringen beim Baden in Süßgewässern durch die Haut in den menschlichen Organismus ein. Im Körper wachsen sie dann zu Eier legenden Würmern heran. Die Eier werden prinzipiell wieder über den Kot oder Urin ausgeschieden und kommen damit zurück in den Kreislauf. Doch nicht alle Eier verlassen den Körper wieder. Und genau mit diesem Phänomen beschäftigt sich Sombetzki.

Einige Eier gelangen über die Blutbahn in die Leber. Dort setzen sie sich ab, wodurch es erst zu Entzündungen und dann zu Verhärtungen der Leber kommt. "Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Leberzirrhose, die auch zum Tod führen kann", sagt die Biologin. Sombetzki hat in ihrer Promotionsarbeit Mittel getestet, die die krankhafte Vermehrung des Bindegewebes und damit eine Verhärtung der Leber verhindern sollen. "Die Ergebnisse werden schon bald in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert", sagt Sombetzki.

Die Arbeit im Labor macht der Wissenschaftlerin großen Spaß. Doch gerade am Anfang sei es gewöhnungsbedürftig gewesen, mit den Körperflüssigkeiten zu arbeiten. Geekelt habe sie sich aber nie. Bereits während ihres Studiums hat die 35-Jährige in dem Labor gearbeitet, damals noch als studentische Aushilfskraft, die überwiegend Objektträger gesäubert hat. "Ich habe schnell den Weg in die Diagnostik gefunden und wusste, dass ich nichts anderes mehr tun will", so die Biologin. Trotzdem wagte sie zur Diplom-Arbeit einen Ausflug in den bio-physikalischen Bereich und forschte in Österreich. Der Weg zurück nach Rostock stand für sie aber immer fest. Hier schätzt sie vor allem das handwerkliche Arbeiten.

Vorsorge treffen: Beratung vor jeder Reise

Insgesamt arbeiten zurzeit etwa zehn Mitarbeiter und Doktoranden im Labor. Neben der Schistosomiasis gibt es zwei weitere große Forschungsthemen im Labor: Malaria und Pneumocystis-Pneumonie. Dr. Carlos Fritzsche befasst sich mit der Erforschung letzterer Erkrankung. Der Erreger heißt Pneumocystis jirovecii, wird heute den Pilzen zugeordnet und kann bei immungeschwächten Menschen eine Lungenentzündung auslösen, zum Beispiel bei Aidskranken. Doch auch Borreliose, ausgelöst durch Zeckenbisse, und Hepatitis sind Forschungsthemen in der Tropenmedizin.

Obwohl Fritzsche und auch Sombetzki täglich sehen, welche Krankheiten Tropen-Heimkehrer mitbringen, hält sie das nicht vom Reisen ab. "Es gibt nichts, wovor man Angst haben müsste", sagt Fritzsche und fügt hinzu: "Wir sind rund um die Uhr für die Patienten da." Trotzdem sollten Urlauber nicht unvorbereitet in die Tropen reisen, sondern sich zuvor in der Impfsprechstunde beraten lassen, zum Beispiel von den Tropenmedizinern am Uniklinikum Rostock.