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Geburten Generationen auf die Welt geholfen

Von CLLA | 08.05.2018, 08:00 Uhr

Hebamme Birgit Wahls ist seit 40 Jahren im Kreißsaal tätig – manchmal aber auch in einem Auto.

Birgit Wahls ist nicht aus der Ruhe zu bringen. In diesem Jahr feiert die 61-Jährige vierzigjähriges Dienstjubiläum als Hebamme am Klinikum Südstadt. Damit gehört die Rostockerin zu den dienstältesten Kolleginnen auf der Entbindungsstation und hat so einige Anekdoten zu erzählen. Immerhin waren es gut 7000 Kinder, die sie als allein betreuende Hebamme auf die Welt geholt hat – und noch einmal ähnlich viele Geburten, bei denen sie als erfahrene Mentorin den Auszubildenden zur Seite stand. „Ich habe auch schon ein Kind im Trabi vor der Notaufnahme geholt“, erinnert sie sich schmunzelnd.


Drillinge als ÜberraschungFrüher, als der Ultraschall noch nicht so exakt war wie heute, seien auch einmal plötzlich Drillinge statt der erwarteten zwei Babys zur Welt gekommen. Mittlerweile habe sie sogar schon generationsübergreifende Kreißsaal-Erlebnisse: „Einmal kam ein Paar zur Entbindung, bei dem ich nicht nur die aktuelle Geburt betreuen durfte, sondern bei beiden Elternteilen jeweils auch schon die zuständige Hebamme war.“

Auch wenn sie sich mittlerweile längst nicht mehr an jedes der tausenden Babys ganz genau erinnert, in den Geburtenbüchern ist alles ganz genau erfasst. Die Büroarbeit sei im Laufe ihrer jahrzehntelangen Klinik-Tätigkeit immer mehr geworden. „Genau wie die technische Überwachung der Schwangeren“, sagt Birgit Wahls. Dabei werde aber von den Geräteherstellern darauf geachtet, dass sich die Frauen in den Wehen möglichst frei und ohne störende Kabel bewegen könnten. Das alles diene natürlich dem Sicherheitsgefühl der werdenden Eltern – „kommen tun die Babys auch heute noch so“.

In den Kreißsaal hätte aber nicht nur die medizinische Technik Einzug gehalten, sondern ebenso die zur privaten Dokumentation. „Stativ und Kamera waren auch schon mal dabei, aber Videos werden eher selten gemacht – eher eine Menge Fotos, die dann direkt an die Verwandtschaft geschickt werden.“


Werdende Väter sind besser vorbereitetFast Standard sei mittlerweile die Anwesenheit der Väter bei der Geburt. „Und sie kippen seltener um, sind besser vorbereitet“, erzählt die erfahrene Hebamme mit einem Schmunzeln. Neuerdings sind die Geburtshelferinnen am Klinikum Südstadt neben den Kreißsälen auch für die Betreuung der Wehenzimmer mit zuständig, kommen also noch früher mit den werdenden Mamas in Kontakt. Die Nachsorge bleibt dagegen meist den freiberuflichen Hebammen vorbehalten. „Ich habe das früher auch gemacht, aber jetzt wäre so eine Doppelbelastung doch zu viel“, sagt die erfahrene Geburtshelferin.

Ihren Arbeitsplatz wollte sie in all den Jahrzehnten nie vollständig gegen die Selbstständigkeit tauschen. Auch wenn es im Klinikum Südstadt als viertgrößte Geburtsklinik Deutschlands durchaus stressig zugeht und in jeder ihrer Schichten mehrere Babys zur Welt kommen. Aber die Auflagen für freiberufliche Hebammen, die Hausgeburten anbieten, sind hoch und nur die Vor- und Nachsorge wären ihr selbst zu wenig vom ursprünglichen Beruf. „Es ist das schönste Ereignis der Welt, einem Kind auf die Welt zu helfen“, sagt Birgit Wahls. Für sie selbst sei das nur noch dadurch gesteigert worden, dass sie bei all ihren drei Enkeln – einem Mädchen und zwei Jungen – die Geburt selbst betreut hat.

Zuhause hätte sie trotz des familienunfreundlichen Berufs immer Unterstützung erfahren, sagt die zweifache Mutter. Allerdings seien sowohl das Drei-Schicht-System als auch die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen ihrer Meinung nach einer der Hauptgründe, dass die Zahl der Auszubildenden zurückgegangen ist. „Wir hatten mal Zeiten, in denen es die zehnfache Bewerberzahl gab. Mittlerweile sind es weniger für unsere sechs Ausbildungs-Plätze. Die Bewerber sind aber immer schon nur Mädchen und junge Frauen“, erklärt die erfahrene Hebamme, die ihr Wissen noch bis 31. Dezember 2020 an den Nachwuchs des Klinikums Südstadt Rostock weitergeben wird.