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Prototypen über Schweriner Offroad-Teststrecke gejagt Härtetest: Mit Tempo 130 querfeldein

Von Juliane Haendschke | 30.09.2011, 08:43 Uhr

Driften, blockieren, ausbrechen: Der Prototyp des Sam 35 CC jault giftig auf, wenn der mehrfache deutsche Rallyemeister Matthias Kahle den 300-PS-Boliden kontrolliert an seine Grenzen zwingt.

Driften, blockieren, ausbrechen: Der Prototyp des Sam 35 CC jault giftig auf, wenn der mehrfache deutsche Rallyemeister Matthias Kahle den 300-PS-Boliden kontrolliert an seine Grenzen zwingt. Mit mehr als 100 Stundenkilometern jagt er den Kraftprotz über die Strecke des Sorea Offroad-Parks Schwerin. Es geht um Feinabstimmungen. Die Ingenieure der Sächsischen Automobil Manufaktur (Sam) testen eigenen Angaben zufolge das Fahrwerk. Druck- und Zugstufen der neu eingebauten Stoßdämpfer müssen stimmen, damit der Prototyp auf jedem Untergrund so exakt wie nur möglich steuerbar bleibt.

Die Anforderungen sind hoch: Im Januar 2013 will Besitzer Sven Knorr seinen Wagen bei der Rallye Dakar an den Start schicken. Auf dem härtesten Offroad-Rennen der Welt wird der Sam 35 CC dann knapp 10 000 Kilometer „Gelände“ unter Reifen und Fahrwerk bekommen. „Bei einem Weltcup-Rennen in Italien hat er sich schon gut bewährt“, sagt Knorr. Doch er will alles aus dem Fahrzeug holen, was technisch und finanziell machbar ist. Mehrere Millionen Euro hat Knorr nach eigener Aussage bereits in die Entwicklung des Wagens gesteckt.

Im Oktober 2009 – „vor fast genau zwei Jahren“ – hatte alles mit einer Initialzündung begonnen. „Damals muss ich verrückt gewesen sein“, sagt Knorr heute über sein Liebhaber-Projekt. Der Sam 35 CC basiert auf keinem Serienwagen. „Ingenieure haben ihn komplett am Computer entwickelt“, erzählt Knorr. Erst zehn Monate später stand der Bolide in seiner ersten Variante in einer Werkstatt. Seit dem entwickelt das fünfköpfige Team von Sam den Prototypen Stück für Stück weiter.
Zahlreiche Teststrecken wie die Hetzjagd über die Geländepiste in Schwerin liegen bereits hinter dem Extrem-Sportler. Unermüdlich nötigt Kahle den Wagen in die Kurven der Strecke in den Göhrener Tannen, lässt ihn immer wieder über die gleichen Kuppen springen, damit die Ingenieure die Testergebnisse miteinander vergleichen können. Dabei geht es um Millimeter. Die acht Stoßdämpfer, davon an jedem einzeln aufgehängten Rad zwei, müssen präzise arbeiten. „Wichtig sind die verschiedenen Untergründe“, sagt Knorr. Das Ingenieurteam und die holländischen Spezialisten der Firma Reiger Racing Suspension suchen nach dem perfekten „Mittelwert“: Nicht zu hart, nicht zu weich, schön durchlässig – bei vollem wie bei leerem Tank. Der fasst mehrere hundert Liter Sprit, die bei materialschindenden Geländefahrten wie auf der Rallye Dakar durchaus ins Gewicht fallen. Die 17 Kilometer lange Strecke in Schwerin sei fast perfekt für solche Fahrexperimente geeignet, sagt Knorr. Harte und weiche Untergründe, lange und kurze Bodenwellen, enge und lange Kurven, Kuppen und Kuhlen lösen sich ab.

Bis in den späten Nachmittag hinein nutzte das Spezialisten-Team das Sorea-Gelände. „Wir haben lange gebraucht, um diesen Termin zu finden“, sagt Knorr. Im Sorea-Park sind nach Angaben von Betreiber Ingo Kaldarasch noch weitere Teststrecken dieser Art geplant. Die Ingenieure, Fahrer und Fahrwerks-Experten des Sam 35 CC und Knorr selbst packen ihr Camp erst einmal zusammen. Die Messergebnisse werden sie später genau auswerten und in ihre Gesamt-Daten integrieren. Bis zur Feuertaufe Rallye Dakar 2013 ist es noch Zeit, danach soll der Sam 35 CC einem ausgewählten Kundenkreis angeboten werden. „Ich gehe von vier Modellen im Jahr aus“, sagt Knorr.