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Rostock Hansestadt-Präsent „Greifi“ vergiftet Kinder

Von Redaktion svz.de | 26.01.2018, 21:00 Uhr

Rathaus-Skandal: Kuscheltier wird wegen Weichmachern aus Verkehr gezogen. #wirkoennenrichtig

Jetzt ist es amtlich: Die Hansestadt muss das kuschelige Plüschtier „Greifi“, das jedes 2018 in Rostock geborene Kind geschenkt bekommen sollte, komplett aus dem Verkehr ziehen. Der Grund sind nachgewiesene Weichmacher in den Augen des in China hergestellten Glücksbringers. Eine entsprechende Unterlassungsverfügung wird das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) der Hansestadt vorlegen, bestätigt Leiter Heiko Will.

„Das von uns beauftragte Labor hat festgestellt, dass in der weißen Umrandung des Auges der Weichmacher Phthalat zu finden ist“, sagt Will. Dessen Verwendung in Kinderspielzeugen sei seit 2008 von der EU untersagt, da die Zusammensetzung toxisch sein kann. Beim Verschlucken der mandelförmigen Greifenaugen würde die Magensäure das weiche Plastik in einer chemischen Reaktion wieder hart machen und könnte so innere Verletzungen hervorrufen. Zudem sei das Teil so scharfkantig, dass auch eine äußere Verletzungsgefahr gegeben sei. „Wir haben keinen Verhandlungsspielraum, wir müssen potenziellen Schaden von Kindern abwenden“, sagt Will. Juristisch denkbar sei eine große Rückholaktion.

Die Stadt selbst habe laut Rathaussprecher Ulrich Kunze ebenfalls ein Labor beauftragt, das Spielzeug zu untersuchen: mit anderem Ergebnis. „Das Hamburger Institut hat uns bestätigt, dass mit ,Greifi’ alles in Ordnung ist“, sagt Kunze. Dennoch muss das Rathaus das Ausgabe-Verbot des Lagus befolgen und die Eltern der 96 Kinder über die Gefahr informieren, die das Plüschtier in Rostocks Kinderzimmer bringen kann.

Schon zehn Tage nach der Ausgabe der ersten „Greifis“ am 1. Januar war das Plüschtier aus dem Verkehr gezogen worden, da an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit gezweifelt wurde. Unter anderem fehlte der ersten gelieferten Charge – 400 von geplanten 5000 Stück – die CE-Kennzeichnung des Herstellers, die Auskunft darüber gibt, ob EU-Normen eingehalten werden. Insgesamt hatte die Stadtverwaltung für die „Greifis“ rund 23 000 Euro ausgeben wollen, mit dem Entwurf und der Beschaffung war der Künstler Ené Slawow vom Organisationsbüro zum 800. Stadtgeburtstag Rostocks beauftragt worden.

Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) steht dennoch zu „Greifi“: „Jedes 2018 in Rostock geborene Kind wird seinen ,Greifi’ bekommen.“ Im Zweifel sollen die Plüschtiere von einem anderen Hersteller neu bezogen werden, sagt Kunze.