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Staatsanwaltschaft wirft 24-jährigem Nils W. Totschlag vor Herrentags-Schläger: Anklage erhoben

Von Katrin Schüler, dapd | 14.09.2011, 06:46 Uhr

Gegen den 24-jährigen Hauptverdächtigen der tödlichen Schlägerei nach einem Bollerwagenstreit am Herrentag auf dem Bahnhof Warnemünde hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage wegen Totschlags erhoben.

Der tödliche Streit um den schönsten Bollerwagen in Warnemünde sorgte im Juni bundesweit für Schlagzeilen. Jetzt wird gegen den 24-jährigen Hauptverdächtigen Nils W. Anklage erhoben: Die Rostocker Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt, Totschlag sowie Beteiligung an einer Schlägerei vor, wie eine Sprecherin gestern sagte. Gegen weitere Beteiligte werde in einem gesonderten Verfahren ermittelt.

Überwachungskamera filmte die Tat

Das Opfer war Knut H., ein 44-jähriger Mann, der laut Ermittlungen von mindestens zwei Schlägen getroffen worden sein soll. Der Mann fiel leblos zu Boden, konnte zwar noch reanimiert werden, starb jedoch einen Tag später im Krankenhaus. Todesursache waren Einrisse der Hals- und Kopfschlagader sowie Einblutungen in das Gehirn. Dank einer Videoaufzeichnung war die folgenschwere Schlägerei am 2. Juni auf dem Bahnsteig Warnemünde gut nachzuvollziehen.

Betrunkene Männer zweier Vatertags-Gruppen rempelten und pöbelten sich zunächst an, wobei zwei Beteiligte, der 44-Jährige und der 24-Jährige, zu Fall kamen. Beim Aufstehen drehte der Jüngere das spätere Opfer zu sich um und schlug zu. Auslöser des Streits waren offenbar die Vorzüge und Nachteile eines Boller- und eines Einkaufswagens, welche die Männer als Transportmittel mit sich führten. Offenbar hatten sich die Beteiligten über das Gefährt der jeweils anderen Gruppe lustig gemacht. Nach der Tat kümmerte sich der jetzt Beschuldigte nicht um das am Boden liegende Opfer, jedoch andere Passanten, die dem 44-Jährigen aber nicht mehr helfen konnten. Der 24-Jährige wurde wenig später noch in Warnemünde festgenommen.

Der Vorfall war bundesweit mit brutalen Bahnhofsschlägereien verglichen worden. Dem widersprach aber die Polizei nach ihren Ermittlungen. Es sei nicht mutwillig oder gar gezielt auf einen am Boden Liegenden eingeschlagen worden. Zudem hätten auch Augenzeugen versucht, zu schlichten. Für alle Beteiligten habe die Auseinandersetzung nicht den Eindruck gemacht, lebensgefährlich zu enden, hatten die Ermittler noch im Juni gesagt.