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Rostock Hilfe jenseits der Diagnosen

Von CLLA | 22.06.2017, 05:00 Uhr

Schulcampus Evershagen erhält den mit 3000 Euro dotierten Jakob Muth-Preis für Inklusion. Ministerin Hesse ist „unendlich stolz“ #wirkoennenrichtig

„Bald steh ich oben und hab’s geschafft. Ich hab was aus mir gemacht, früher haben sie nur gelacht“ – der selbst verfasste Text, den Masum Korinth und Daniil Kramarovskiy in der voll besetzten Aula rappten, bildet genau das ab, wofür der Schulcampus Evershagen gestern mit dem Jakob Muth-Preis ausgezeichnet wurde: Jeder der aktuell 935 Schüler erhält auf dem Campus die bestmögliche Ausbildung – egal, ob Förderbedarf oder nicht, ob Realschulabschluss oder Abitur.

„Der Inklusionsgedanke wird hier wirklich gelebt – jeden Tag und von jedem Einzelnen“, sagt Schülersprecher Benedikt Arendt. Der Elftklässler freut sich, dass seine Schule genau dafür ausgezeichnet wurde. „Wir haben hier einen ganz engen Kontakt zwischen Schülern, Eltern und Lehrern und werden immer mit einbezogen“, sagt der Elftklässler. Gerade hätten sich alle gemeinsam dafür eingesetzt, ein zweites Treppengeländer zu bekommen, weil ein Schüler mit Muskelschwund den Campus besuchen will. Für Benedikt, der sich ein Lehramtsstudium und später einen Job auf dem Schulcampus vorstellen könnte, ist dieses Engagement ganz normal: „Jeder, der hier zur Schule gehen möchte, soll auch die Chance dazu bekommen“, so der 18-Jährige am Rande der Preisverleihung.

Dort wurden neben der Rostocker Schule, die als erste in MV den Jakob Muth-Preis für beispielhafte Inklusion erhielt, auch die Geschwister-Prenski-Schule aus Lübeck, die Antonius von Padua Schule Fulda sowie eine städtische Arbeitsgruppe aus Oldenburg ausgezeichnet.

Verena Bentele übergab die Urkunden. „Der Schulcampus Evershagen hat uns auch deshalb überzeugt, weil hier alle Kinder Unterstützung bekommen – mit und ohne Behinderung. Und weil Inklusion hier als Thema der Vielfalt angesehen wird“, so die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen. „Die Arbeit ist aber noch nicht zu Ende – die Inklusion ist kein Ziel, sondern ein Weg, den wir gemeinsam beschreiten“, erklärte Campus-Leiter Gerald Tuschner, der sich über die Anerkennung freute, die der Preis für seine Schule bedeute. Die 3000 Euro Preisgeld will der 60-Jährige dafür einsetzen, eine ehemalige Hausmeisterwohnung für die multifunktionale Ganztags-Inklusion umzugestalten.