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Interview: Kevin Costner gibt am Sonnabend Konzert in Rostock „Ich habe jede Menge Spaß dabei“

Von Redaktion svz.de | 15.09.2011, 08:05 Uhr

Anfangs war alles nur Spaß, doch die Fans wollten mehr. Mit der Folge, dass Hollywood-Star Kevin Costner neben seinen Dreharbeiten jetzt auch noch im kontinuierlichen Kreislauf von Albumaufnahmen und Tourneen steckt.

Anfangs war alles nur Spaß, doch die Fans wollten mehr. Mit der Folge, dass Hollywood-Star Kevin Costner ("Der mit dem Wolf tanzt", "Bodyguard") neben seinen Dreharbeiten jetzt auch noch im kontinuierlichen Kreislauf von Albumaufnahmen und Tourneen steckt. "From Where I Stand" heißt das neue Werk des 56-Jährigen, das er gemeinsam mit seiner Band "Modern West" den deutschen Fans live vorstellt. Unser Autor Stefan Woldach hat mit dem Oscarpreisträger über den Spagat zwischen Schauspieler- und Musikerdasein gesprochen - und über Nena.

Ihre letzte Tour wurde bei uns euphorisch gefeiert. Was ist das schönste Erlebnis, an das Sie sich erinnern?

Einige Fans reisten uns von Stadt zu Stadt hinterher - unglaublich! Sie kannten alle Texte, alle Songs! Zuerst denkst du: Oh Gott, wie sind die drauf? Aber im Grunde haben diese Menschen etwas unglaublich Herzliches an sich. Dass die Fans die Songs und Texte kannten, zeigte mir, dass sie nicht nur wegen mir, sondern wegen unserer Musik gekommen waren.

Fiel ihnen die Umstellung von der künstlichen Situation vor einer Kamera zu der auf der Bühne, vor einem realen Publikum, schwer?

Jede Situation bringt einen ganz eigenen Druck mit sich. Sei es in Hollywood, wo am Set alle Augen auf dich gerichtet sind, oder vor den Zuschauern bei einem Konzert. Wenn du am Set einen Fehler machst, lebt er für immer weiter. Wenn du überhaupt keine Fehler machst, kreiden sie dir das genauso an. Live zu spielen liegt aus meiner Sicht irgendwo dazwischen.

Woran machen Sie das fest?

Einige unserer Soundchecks wurden gefilmt, auch wenn meine Stimme nicht immer auf dem Punkt war. Ehrlich gesagt bin ich gespannt, ob diese Momente später mal auf DVD gezeigt werden.

Ihr neues Album "From Where I Stand" klingt deutlich rockiger als der Vorgänger "Turn It On". Haben Sie die Energie und Euphorie der letzten Tour mit ins Studio genommen?

Auf jeden Fall! Als wir das letzte Mal hier in Europa unterwegs waren, schrieben wir bereits neue Stücke für "From Where I Stand" - im Tourbus, in Hotelzimmern, beim Soundcheck.

Ihre Band behauptet, sie hätte mit Ihnen des Öfteren am Filmset geprobt...

Das war tatsächlich der Fall und leider unvermeidbar. Wir holten unsere Akustikgitarren raus und jammten am Set. Nach dieser Tour werde ich in Rumänien drehen, und die Jungs werden dort sein, um mit mir schon an den nächsten Songs zu arbeiten.

Ihre Band besteht aus exzellenten Musikern. Eine Herausforderung für Sie?

Ich vergleiche mich erst gar nicht mit ihnen. Ich weiß, dass ich sie nie einholen werde, so sehr ich mich auch bemühen würde. Ich bin ein sehr durchschnittlicher Musiker, aber ich habe jede Menge Spaß dabei. Wenn ich eine Textidee habe, hilft mir meine Gitarre, einen Song zu formulieren. Aber wissen Sie was? Unlängst fragte man mich, ob ich Interesse an einer Coverstory für ein amerikanisches Gitarrenmagazin hätte. Ich fühlte mich geschmeichelt, lehnte das Angebot aber ab, denn es gibt einige andere Musiker, die das eher verdient hätten. Ich habe zu viel Respekt vor guten Gitarristen, als dass ich mich in diese Riege einreihen wollte.

Ihre Band besteht aus alten Schulkameraden. Sagen sich gute Freunde auch mal ernsthaft die Meinung?

Es gibt keinen Streit bei uns. Wenn mir ein Song nicht gefällt, dann singe ich ihn nicht, so einfach ist das (lacht). Die Jungs akzeptieren das und maulen nicht herum. Denn sie wissen, dass ich mir zu jedem Song viele Gedanken mache. Aber wenn er mich nicht anspricht, macht es eben keinen Sinn. Schließlich muss ich ihn singen und nach außen präsentieren.

Als Schauspieler lernen Sie Ihre Rolle, lernen Texte, bereiten sich auf ein Set vor. Wie bereiten Sie sich als Musiker vor?

Man weiß anfangs nie, wie sich ein Song entwickelt, weiß nicht mal, ob er am Ende überhaupt aufs Album kommt. Je länger du es spielst, desto mehr wird es sich verändern. Darauf musst du dich einlassen. Es gibt also gar nicht so vieles, wo rauf du dich vorbereiten kannst.

Der Song "Let Go Tonight" ist ein Duett mit Nena. Wie kam es dazu?

Ich spielte meinem Manager diesen Song vor, und er hatte die Idee, Nena zu kontaktieren. Ich wusste zuerst nicht, was ich davon halten sollte. Aber meine Jungs fanden den Vorschlag prima und sagten sofort: Lass es uns probieren! Nena mochte das Stück, und was sie beisteuerte, ist wirklich fantastisch!

Und worum geht es in "Let The River Carry Itself"?

Jeder Mensch hat seine Geschichte, hat sein Päckchen zu tragen. Und jeder braucht seine eigene Philosophie, um sein Leben zu meistern. Wir sollten uns bewusst sein, was wirklich wichtig im Leben ist. Wenn wir das aus den Augen verlieren, wird unser Leben sehr verwirrend. Es ist nicht leicht, sich auf sich selbst zu konzentrieren und mit sich selbst zufrieden zu sein. Man muss versuchen, alles so gut zu machen, wie man nur kann. Das ist die Metapher hinter dem Song: Das Leben ist ein Fluss, gegen den man nicht anschwimmen sollte.

Ihre Frau Christine ermutigte Sie, Musik zu machen. Bereut Sie es mittlerweile, da Sie ein weiteres Album eingespielt haben und die nächste Tour ansteht?

Ich vermute es, auch wenn wir versuchen, nicht zu lange getrennt zu sein. Die längste Pause ist in diesem Herbst, wo ich direkt nach der Tour zum nächsten Filmdreh fahre. Aber meine Frau wird mit den Kindern nach Europa kommen, wir werden uns treffen. Wo das sein wird, überlasse ich ihr, denn sie weiß, was gut für unsere Kinder ist. Da vertraue ich ihrem Instinkt als Mutter. Und sie vertraut meinem Gefühl als Ernährer (lacht).