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Rostock Im Stadthafen fällt der letzte Vorhang

Von Juliane Hinz | 22.05.2013, 06:49 Uhr

Die schlechte Nachricht ist: Das Theater im Stadthafen wird zum 1.

Januar 2014 als Spielstätte des Volkstheaters geschlossen. Die gute Nachricht: Mit dieser Maßnahme ist das Tanztheater aus der Schusslinie. "Darüber bin ich sehr froh", sagt der zukünftige Intendant Sewan Latchinian. "Denn dabei geht es um Kunst, um Menschen und um eine Sparte, die erhalten werden soll." Seinem Konzept für die künftige Ausrichtung des Volkstheaters entstammt dieser Vorschlag, dem der Aufsichtsrat am Dienstagabend nach einer langen Diskussion mehrheitlich gefolgt ist.

"Es gab nur die Wahl zwischen dem kleineren Übel und dem größeren", sagt Latchinian. Denn für das Jahr 2014 fehlen im Etat des Volkstheaters 500 000 Euro, erneut droht die Insolvenz. Von Seiten der Bürgerschaft hatte es in der vergangenen Woche ein Nein für die Erhöhung des Zuschusses gegeben. Die Zeichen dafür, dass es angesichts der immer höher werdenden Belastungen vielleicht doch noch Geld von der Stadt geben wird, stehen schlecht. Immer wieder wurde die Forderung laut, das Volkstheater möge das Defizit selbst ausgleichen.

Dies ist nun geschafft - aus eigener Kraft und ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie Latchinian betont: "Wir wollen nicht immer nur die Hand aufhalten und Geld aus dem öffentlichen Raum fordern." Mit der Kündigung des Mietvertrags für die Immobilie im Stadthafen, die dem Kommunalen Eigenbetrieb für Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) und somit der Stadt gehört, spart das Volkstheater einen großen Teil dessen ein, was im Haushalt fehlt. Der Rest wird zum Teil aus dem Gästeetat für Schauspiel und Musiktheater abgezogen. Außerdem werden einige der Stellen, die durch Renteneintritt oder Neuorientierung jüngerer Mitarbeiter frei werden, nicht neu besetzt. Dafür sollen aber sechs der Stellen, die im Schauspiel bereits als gestrichen galten, nun doch neu vergeben werden.

Mit dem Theater im Stadthafen fällt eine Spielstätte weg, die vor allem durch die Sparte Schauspiel und häufig für Jugendtheater genutzt wird. "Diese Angebote sollen im Großen Haus einen neuen Heimathafen finden", sagt Latchinian. Dies betreffe auch Formate wie die Schultheatertage und das niederdeutsche Theater. Dafür hat der zukünftige Intendant im Großen Haus bereits fünf neue, bislang ungenutzte Spielstätten aufgetan: den Ballettsaal, die drei Probebühnen sowie den Bühnenraum hinter dem eisernen Vorhang. "Auf diese Weise können wir das alte, bereits abgeschriebene Haus noch einmal spannend machen", sagt Latchinian.

"Mein Konzept hebt darauf ab, dass wir in einen Neubau ziehen", erklärt der künftige künstlerische Leiter. Dass es aufgegangen ist, werde sich erst zeigen, wenn die Bühne 2018 ihr neues Domizil bezieht. "Aktuell hat es aber den Reiz, dass wir damit die Forderungen der Stadt erfüllen", sagt Latchinian.

Mit der Zustimmung des Aufsichtsrates zu Latchinians Konzept kann nun die kommende Spielzeit zu Ende geplant werden. Vor zwei Wochen hatte Intendant Peter Leonard nur einen Plan bis Ende des Jahres präsentieren können. Die neue Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz schimpfte angesichts der ungeklärten Haushaltslage: "Ich habe keine Planungsgrundlage." Diese ist nun gegeben - wenn auch mit Abstrichen.