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#wirkoennenrichtig hafen Inmitten der Bilder aus Afrika

Von Reiner Frank | 14.06.2017, 12:00 Uhr

Über einen Jubilar, Seereisen mit der Kamera zum Schwarzen Kontinent, Tauchfahrten und eine Rettungsaktion in der Nordsee

Am vergangenen Sonntag hatte er Freunde und Weggefährten zu einem Treffen in seine Ausstellung „Afrika-Seereisen mit der Kamera“ auf das Traditionsschiff geladen. Anlass war sein 80. Geburtstag – und die fotografischen Impressionen vom Schwarzen Kontinent sind ein besonderes Kapitel seines Lebens.

Der Jubilar Hermann Winkler hatte Afrika als Seemann zwischen 1959 und 1988 näher kennengelernt. Abseits ausgetretener Touristenpfade machte er sich mit dem Alltagsleben der Einwohner und ihrer Kulturgeschichte vertraut und versuchte erfolgreich, das mit seiner Kamera detailgetreu zu erfassen. Zu sehen sind Fischer vor Angola, Kamerun und Tansania, wie Bootsbauer am Strand des Roten Meeres ihrem Handwerk nachgehen, wie Flößer den Catumbela überqueren und ein Einbaumsegler vor Takoradi in Fahrt.

Die Bilder sind Belege eines guten Beobachters, der sich aber mit dem Augenschein nicht begnügte, sondern davon ausgehend mit Bewohnern des Kontinents und maritimen Besonderheiten einer von Küstenseefahrt und Fischerei geprägten Kultur in Büchern wie „Segler vor Ostafrika“ und „Segler im Monsun“ bekannt macht. So manchen seiner Gesprächspartner von damals trifft er später noch einmal als Tourist auf alten Wegen wieder.

Der gebürtige Dresdner Hermann Winkler ist seit 1953 in Rostock zu Hause. Als Forschungstaucher am damaligen Institut für Hochseefischerei war er 1959 bei einer Testfahrt der „Meteor“ im Roten Meer dabei. Neben geomagnetischen Messungen wurden Produkte der Industrie auf ihre Tropenfestigkeit geprüft, aber auch die Farbenpracht der Korallenbänke und die Lebensfülle des Meeres bei den „Schlittenfahrten“ unter Wasser erkundet. Hermann Winkler hatte den Taucherschlitten seinerzeit entwickelt, mit dem er dann auch Mitarbeiter der DEFA unterstützte, die damals über den Törn der „Meteor“ im Roten Meer einen Film drehten.

Nach seiner Berufsausbildung als Taucher und Matrose sowie einem Studium an der Seefahrtsschule Wustrow und der Ingenieurschule für Verkehrstechnik in Dresden fuhr Hermann Winkler drei Jahrzehnte bis 1992 als Nautiker zur See. Dabei war er meist im Fahrtgebiet Afrika im Einsatz, wo er auf mehr als zwanzig Reisen über 30 Hafenstädte, vor allem an der Ost- und Westküste, besuchte.

Mit dem Tanker „Schwarzheide“ war er im Februar 1967 auch auf der Nordsee unterwegs, als ein schwerer Sturm etliche Schiffe in Seenot brachte. Unter Führung des Kapitäns Rudolf Porath hatte auch der DSR-Tanker in der schweren See mit über acht Meter hohen Wellen zu kämpfen. Es gab erhebliche Seeschäden an den Aufbauten, Wassereinbruch in den Kammern. Ringsum registrierte der Funker Mayday-Meldungen in Seenot geratener Schiffe bei dem seinerzeit schwersten Orkan in der Deutschen Bucht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Für den Nautiker Winkler war es eine der aufregendsten Reisen seiner Seefahrtszeit. Während die „Schwarzheide“ aber die Wetterunbilden gut abwetterte, war das dänische Motorschiff „Else Priess“ gesunken. Drei Matrosen hatten versucht, sich in einem Floß zu retten. Der Crew der „Schwarzheide“ gelang nach aufopferungsvollem Kampf die Bergung, die Seeleute aber hatten in der kalten See nicht überlebt. Die Bergungsaktion des Floßes durch die Besatzung des DSR-Frachters, die unter Leitung Winklers erfolgte, wurde aber als „Seemännische Meisterleistung“ international gewürdigt.

In jener Sturmnacht fand übrigens auch die Besatzung des Seenotkreuzers „Adolph Bermpohl“ bei einem Rettungseinsatz vor Helgoland den Tod.

Vom Adolph-Bermpohl-Orkan, wie der Sturm von Wetterdiensten später bezeichnet wurde, war auch in der Geburtstagsrunde auf dem Traditionsschiff die Rede. Denn mit Günter Kalis (damals 1. Koch) sowie den Stewardessen Annelie Kalis und Ingelinde Otto waren weitere Zeitzeugen der „Schwarzheide“-Aktion hier auch vertreten. Eine Dokumentation Hermann Winklers darüber ist in Vorbereitung. Im Mittelpunkt des Geburtstagstreffens aber stand die gesamte Seefahrtzeit des Jubilars und sein Wirken als Buchautor, der bekanntlich auch der Traditionsschifffahrt an der heimischen Küste wiederholt auf der Spur war und eine neue Edition bei Hinstorff unter dem Titel „Alte Boote unter Segeln“ vorbereitet.

Die Ausstellung Winklers zu „Afrika-Seereisen mit der Kamera“ wird noch bis 25. Juni auf dem Traditionsschiff zu sehen sein.