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Historische Ansichten Jetzt beginnt ein neuer Rundgang

Von IANE | 15.03.2015, 08:00 Uhr

NNN-Bilderserie zeigt zerstörtes Rostock und den Wiederaufbau der Stadt

Kaum zu glauben, dass es schon 23 Jahre her ist, dass die erste Folge der „Historischen Ansichten“ in den NNN erschien. Seitdem führt die Serie jeden Sonnabend die Leser durch die Straßen Rostocks, zeigt Stadtansichten, die es schon lange nicht mehr gibt, offenbart spannende Details zur Historie der Häuser, Kirchen, Parks und zum Leben der Menschen. Das Konzept ist dabei immer gleich geblieben: Eine historische Abbildung aus der Sammlung des Fotografen Gerhard Weber bildet den Anlass für den Stadtarchivar – bis zur 1000. Folge war es Hans-Werner Bohl, bis heute ist es Dr. Karsten Schröder – über vergangene Zeiten zu berichten.

Schon zwei Mal sind die NNN-Leser auf diesem Weg durch ihre Heimatstadt geführt worden. „Und bislang haben wir dabei nur das unzerstörte Rostock gezeigt“, sagt Gerhard Weber. Das forderte ihn und Karsten Schröder geradezu heraus, einen dritten Rundgang durch die Stadt zu beginnen. Er zeigt Rostock bis 1989/90 – inklusive all der Schäden, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte. „Nur so wird die Serie wirklich rund“, findet deren Initiator Gerhard Weber.

Am Sonnabend begann der dritte Teil der „Historischen Ansichten“ in den NNN. Das erste Bild zeigt von der Warnow aus betrachtet die Jakobikirche. Sie hat ihre Turmspitze eingebüßt. Bald wird die Ruine des Gotteshauses ganz weichen. Heute erinnert an gleicher Stelle ein Park rund um die wenigen erhaltenen Reste an St. Jakobi.

Gerhard Weber treibt vor allem eins an, wenn er an den „Historischen Ansichten“ arbeitet: Er möchte andere teilhaben lassen am historisch gewachsenen Stadtbild. So hofft er, bei den Lesern der Serie ein Bewusstsein für das alte Rostock zu schärfen und den Wunsch, die noch erhaltenen Reste der Stadt zu bewahren. „Es ist unglaublich, was nach 1990 noch alles zerstört worden ist“, sagt Gerhard Weber. Für ihn wie für viele andere sind die „Historischen Ansichten“ mittlerweile ein regelrechtes Nachschlagewerk geworden – das ab jetzt um die Bilder der Zerstörung und der Jahre des Wiederaufbaus erweitert wird.

Historische Ansichten (1186)

Es scheint, als wollte der kleine Schlepper mit einer mächtigen Rauch- und Dampfwolke die Wunden verdecken, die der Zweite Weltkrieg dem Jahrhunderte alten Stadtpanorama geschlagen hatte. Doch am Horizont reckt sich mahnend der helmlose Turm von St. Jakobi in die Höhe. Das Gotteshaus war im April 1942 schwer beschädigt worden und ausgebrannt. Nun, Mitte der 1950er-Jahre, als dieses Foto entstand, wird in der Nachbarschaft der Ruine bereits gebaut. Bald werden sich die imposanten Gebäude der Langen Straße ins Bild schieben und nach dem Kirchenschiff wird auch der Turm von St. Jakobi im Jahr 1960 weichen.

Entstehen wird ein neues Stadtpanorama Rostocks. Vielleicht wird es nicht genauso schön wie das alte, aber genauso stolz wird es von der großen Zeit der Hanse erzählen und so manchen Rostocker wieder ans Gehlsdorfer Ufer ziehen, von wo sich nach wie vor der beste Blick bietet.

Dr. Karsten Schröder, Leiter des Stadtarchivs