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Segeln „Wir müssen jetzt allerdings ein bisschen reinhauen“

Von Peter Richter | 21.08.2019, 21:33 Uhr

Der ASVW hat den Aufstieg noch nicht abgeschrieben – Steuerfrau Johanna Meier & Co. wollen jetzt die Aufholjagd starten.

Von Freitag bis Sonntag geht es auf dem Berliner Wannsee in der 2. Bundesliga mit dem 3. „Spieltag“ weiter. Erneut steht Johanna Meier an der Spitze der Crew des Akademischen Segelvereins Warnemünde. Gemeinsam mit Willy Brandt, Benjamin Franke und Hauke Sponholz wird sie versuchen, Boden gut zu machen.

Nach den Events auf dem Starnberger See (13.) und dem Bodensee vor Konstanz (9.) liegt der ASVW im 18er-Feld nur auf Position zwölf. Mindestens Rang vier bedarf es zur sofortigen Rückkehr in die 1. Bundesliga.

„Schade, dass in Konstanz aufgrund des fehlenden Windes nur vier Rennen gesegelt werden konnten und wir nur Neunter wurden. Wir hoffen, dass wir in Berlin bei den geplanten 16 Rennen zeigen können, dass sich das intensive Training auszahlt. Der Aufstieg ist auf jeden Fall noch nicht abgeschrieben. Wir müssen jetzt allerdings ein bisschen reinhauen.“

Für Johanna findet in Berlin ein intensives Jahr seine Fortsetzung. Was hat sie mit ihren jeweiligen Teams 2019 nicht schon alles erlebt…

Auf eine Woche Trainingslager am Gardasee im April folgte der angesprochene Einsatz in der 2. Bundesliga. Im Juni wurde sie in Hamburg beim Helga Cup, der weltweit größten Frauen-Regatta, mit ihrer Mannschaft „Fantastic Four“ Vierte. Alsdann ging es mit der vereinseigenen „Charlotte“ zur J/70-Europameisterschaft auf dem Gardasee. Dort erreichte das Mädel vom Niederrhein – geboren in Moers (Nordrhein-Westfalen) – mit ihrer Besatzung das Goldfleet, die obere Hälfte des 124er-Klassements. Am Ende sprang Platz 53 heraus, und Johanna war die drittbeste Steuerfrau.

Besonders beeindruckt hat sie das Erlebnis Universiade in Neapel mit Unterbringung der Sportler auf Kreuzfahrtschiffen (sie auf der „Costa Victoria“). Auf RS21-Booten wurden Johanna Meier & Co. unter den 16 Studenten-Teams Siebente. Rang vier als drittbeste deutsche Crew gab es ebenfalls im Juli und abermals mit „Charlotte“ bei der Deutschen J/70-Meisterschaft in Travemünde.

„Ich hatte ein entspanntes Semester und dadurch super viele Wassertage“, lächelt die Studentin der Biomedizinischen Technik und meint mit Blick auf dieses Wochenende: „Ich fühle mich wohl auf dem Schiff und habe ein gutes Gefühl dafür.“

Johanna Meier verfügt trotz ihrer Jugend – sie ist vor wenigen Tagen gerade erst 23 geworden – schon über viel Erfahrung. Das Talent bekam sie quasi in die Wiege gelegt. Ihre Eltern Jörg und Birgit waren Deutsche Meister. Sie selbst fing mit acht an zu segeln: „Ich ging mit meinem Bruder Dominik mit, doch während er beschloss, lieber Hockey zu spielen, blieb ich dabei.“ Bereits für ihren Heimatverein SKBUe (Segelklub Bayer Uerdingen) nahm sie – u. a. gemeinsam mit ihrem Papa – an der Bundesliga teil.

Seit drei Jahren ist Jojo nun in Rostock und debütierte 2018, in der 1. Liga jeweils zweimal als Taktikerin und Steuerfrau, für den ASVW.

Freitag um 11 Uhr ist in Berlin die erste Wettfahrt angesetzt. Kurz vorher ist es wie immer vor einem Tagesstart an der Zeit für das Ritual an Bord: Aus einer Flasche Sandeman o. ä. gibt es erst einen Schluck Sherry für Rasmus, den Schutzpatron der Seeleute, auf dass er den Ostseestädtern gewogen sei. Danach sind Johanna und ihre Kameraden dran. Prost – möge die Aufholjagd gelingen!

Titel-Sensation in Hamburg

Im vergangenen Jahr wurde Johanna Meier mit ihren Teams Zweite beim Helga Cup in Hamburg und Dritte der 1. Women’s Champions League in Kiel. Doch der Höhepunkt war die Titel-Sensation im Oktober bei der Meisterschaft der Meister in Hamburg gemeinsam mit den Kieler Junioren-Vize-Weltmeisterinnen im 470er Theres Dahnke (20) und Birte Winkel (21) auf einer Seascape 18.