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Universität Jule ist 15 – und schon Studentin

Von JROH | 16.09.2014, 10:00 Uhr

Rostockerin besucht innerhalb des Juniorstudiums der Universität online den Chemie-Kurs für Mediziner.

Warum enthält eine Zahnpasta Fluorid? Mit dieser und anderen chemischen Fragen beschäftigt sich Jule Kristin Philipp. Die 15-Jährige lernt innerhalb des Wahlpflichtangebots des Gymnasiums Reutershagen als Juniorstudentin zwei bis drei Stunden pro Woche für das Fach Chemie für Mediziner. Die ersten zwei Vorlesungen für das Wintersemester ab dem 13. Oktober sind bereits online.

„Ich mag Chemie total“, erklärt die Rostockerin ihre Entscheidung für das Fach. Nun ist sie dabei, 28-mal anderthalb Stunden Chemie-Vorlesungen zu verfolgen, zwei- bis dreiseitige Übungsblätter zu bearbeiten und Testate zu schreiben. Das Wahlpflichtfach an ihrer Schule wird erst zum kommenden Semester eingeführt. Sie selbst hat jedoch aus Interesse bereits im vorigen Semester gemeinsam mit zwei Freundinnen das Studium begonnen. „Ich möchte über den Schulstoff hinaus lernen und keine 10 000 Wiederholungen erleben“, sagt die hochbegabte Zehntklässlerin, die künftig gern etwas mit Ingenieurwissenschaften und Chemie machen würde. Das Online-Angebot ist für sie Herausforderung, Abitur- und Studiumsvorbereitung zugleich.

Das Juniorstudium an der Uni Rostock bietet die Möglichkeit, bereits während der Schulzeit Vorlesungen und Übungen der Hochschule zu belegen. Das in Deutschland Einzigartige an diesem Angebot: Die Vorlesungen können jederzeit und von überall online besucht werden. So verpassen Schüler nichts von ihrem Unterricht und können in den Studentenalltag hineinschnuppern. Es richtet sich an alle Schüler und ist kostenfrei. „Gern wird das Angebot von Hochbegabtenklassen angenommen, weil gerade diese Schüler oft zusätzliche Herausforderungen neben dem Schulangebot brauchen“, sagt Emese Kudra, Projektmitarbeiterin Juniorstudium von der Uni Rostock. Dennoch seien die meisten Teilnehmer Schüler der regulären Gymnasialstufen II oder auch Teilnehmer aus Abend- sowie Berufsschulen, die überlegen, ein Studium aufzunehmen. Allerdings gäbe es laut Kudra auch junge Menschen, die das Juniorstudium während eines Auslandaufenthaltes absolvieren oder in der Zeit des Freiwilligendienstes.

„Mit dem Juniorstudium prüft man, ob der spätere Wunschstudiengang wirklich dem entspricht, was man sich vorstellt“, sagt Tobias Hahn – ebenfalls Juniorstudent des Fachs Chemie für Mediziner. Andererseits zeige sich durch das Online-Angebot, ob Lerntempo und -anforderungen den eigenen Leistungen entsprechen.

Der 21-Jährige räumt ein, „dass das Studium regelmäßige Nacharbeit erfordert“. Dennoch bleibe ausreichend Zeit. „Es ist freiwillig, ich sehe es als sinnvolles Hobby“, sagt Hahn, der seit seiner Kindheit in Dierhagen lebt. Er will Zahnmedizin studieren.