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Östliche Altstadt Kirchenmusikdirektor bleibt in Rostock

Von Redaktion svz.de | 09.05.2011, 06:36 Uhr

"Ich habe mich für Rostock entschieden", kommentiert Markus Johannes Langer seinen Entschluss, seinen Aufgaben als Kantor und Organist der Rostocker St.-Johannis-Kirche sowie als Professor an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) weiter nachzugehen. Von seiner Bewerbung um die künftige Leitung des berühmten Windsbacher Knabenchores in Bayern hat er Abstand genommen.

Ein Entschluss, über die sich nicht nur Langers Chöre und Studenten freuen werden, sondern die auch viele Rostocker Musikliebhaber gern annehmen werden. Denn die Bedeutung seines Wirkens ist in der Hansestadt und weit darüber hinaus unüberhörbar.

Davon gab Langer am Sonntag eine Probe mit einer geistlichen Abendmusik in der St.-Nikolaikirche. Im Vordergrund stand dabei seine Arbeit als Leiter des Choralchores, des Jugendchores der Johanniskirche. Das ist ein großer Chor, der überwiegend mit Mädchenstimmen besetzt ist. Diese Besonderheit verleiht dem Chor einen hellen Gesamtklang von wunderschöner Klarheit in Deklamation und Stimmführung. In Herbert Beuerles Liedkantate "Hinunter ist der Sonnen Schein" mochte man schon dort, wo der Chorleiter die Mädchenstimmen allein singen ließ, an den Gesang von Engeln denken, obwohl die erst in den späteren Liedstrophen beschworen werden. Doch auch die dünner besetzten Männerstimmen bewiesen in ihrer Liedstrophe derselben Kantate, wie sie sich mit schöner, lyrisch-schlanker Geschlossenheit musikalisch ausdrücken können.

Auch in anderen Abendliedern und -kantaten von Buxtehude, Bach, Briegel und Melchior Vulpius bereicherte der Chor seine Klangfarbe durch Wechsel zwischen einzelnen Stimmgruppen und Gesamtchor. Als Solisten standen dem Chor die Sopranistin Elisabeth Göckeritz, Gesangsstudentin in Leipzig, und Jean-Dominique Lagies, Bass, zur Seite. Die Altistin Stine Fischer, die in Frankfurt/Main studiert, sang mit großer Ruhe und schönem, ausdrucksvollem Timbre die Solokantate "Ach, dass ich Wassers gnug hätte" von Johann Christoph Bach, einem Vorfahr Johann Sebastians. Begleitet wurde sie von einem kleinen Instrumentalensemble. Die Geigerin Nora Markowski, HMT-Studentin, übernahm mit dem kraftvollen, strahlend dominanten Ton ihrer neuen vogtländischen Violine die Führung des Ensembles. Mit energischem Gestus legte sie in Hugo Distlers Kantate "Christ, der du bist der helle Tag" das frische Tempo für das Sopransolo fest. Mit gleicher Frische stieg Elisabeth Göckeritz darauf ein, und dann jagten beide in hellem Wettstreit der Stimmen mit perfekter Übereinstimmung durch den mit Taktwechseln gespickten Satz.

Auch Markus Langer stellte sich in die Reihe der Solisten und rundete die Vielfalt des Programms als Organist ab. Präludium und Fuge e-Moll von Bach, die c-Moll-Sonate aus op. 37 von Mendelssohn und Choralvorspiele von Brahms und Volker Bräutigam erklangen. Langer registrierte selbst während seines Spiels und sparte dabei nicht mit lebhaftem Wechsel der Farben auf dem Instrument von Orgelbaumeister Gerhard Schmid. Vielleicht galt der lange, begeisterte Applaus am Ende auch Langers Entscheidung für Rostock, der Choralchor jedenfalls dankte ihm dafür mit einer Flasche Champagner.