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Norddeutsche Neueste Nachrichten Kleine Blutsauger gefährden Hunde

Von Am vergangenen Wochenende fand ich bei unserer Beaglehündin Ida die erste Zecke | 18.05.2012, 07:04 Uhr

Sprechstunde bei Tierarzt Dr. Jens-Christian Rundnick.

 

Am vergangenen Wochenende fand ich bei unserer Beaglehündin Ida die erste Zecke im Fell. Vor Kurzem las ich, dass sich die Borreliose, die durch Zecken übertragen wird, immer weiter in den Norden ausbreitet. Wie kann ich Ida davor schützen? Was halten Sie von einer Impfung? Wie entfernt man Zecken am besten? Übertragen Zecken noch weitere Krankheiten? F. Schütz, Biestow

Liebe Frau Schütz,

bereits bei Temperaturen ab fünf Grad Celsius werden Zecken aktiv. Höchste Zeit, einem Befall vorzubeugen. Derzeit gehen wir davon aus, dass etwa 30 Prozent der Zecken Borrelien übertragen. Das sind die Erreger der Lyme-Borreliose. Diese Krankheit ist durch rheumaähnliche Beschwerden gekennzeichnet. Borrelien befallen und schädigen Gelenke, Muskeln, Nerven und innere Organe. Ohne Zecken kann ein Hund nicht infiziert werden.

Die Tiere warten meistens an den Enden von Grashalmen oder auf Blättern von Sträuchern auf Opfer, seien es Wildschweine, Hunde oder Menschen. Dabei lassen sie sich von Wärme und Geruch leiten. Haben sie von einem geeigneten Wirtstier Besitz ergriffen, benötigen sie bis zu zwei Stunden, bevor sie sich an einer geeigneten Stelle zum Stechen niederlassen. Beim Hund sind dies eher haarlose Partien mit dünner Haut, vor allem am Kopf, an den Ohren, am Halsbereich, zwischen den Zehen oder am Bauch und den Schenkelinnenseiten.

Erst nach etwa 16 bis 24 Stunden des intensiven Saugens werden Borrelien von der Zecke übertragen. Indem Sie Ida nach jedem Spaziergang gründlich nach Zecken absuchen und diese entfernen, lassen Sie eine Übertragung gar nicht erst zu. Noch sicherer ist es, die Vierbeiner zusätzlich mit wirksamen Antizeckenmitteln zu schützen. Dazu bieten sich verschiedene Halsbänder, Spot-on-Präparate oder Sprays an.

Der Nutzen einer Impfung ist umstritten. Wir haben es in Deutschland hauptsächlich mit vier verschiedenen Borrelienstämmen zu tun. Der neueste Impfstoff, der seit 2010 erhältlich ist, richtet sich gegen zwei der dominierenden Spezies. Wenn Sie Ida gegen Borreliose impfen lassen wollen, sollten Sie vorher ihren Antikörpertiter bestimmen lassen. Werden Antikörper nachgewiesen, ist von einer Impfung abzuraten. Das gilt auch für kranke und geschwächte Tiere sowie für tragende oder säugende Hündinnen.

Wie entfernen Sie Zecken am besten? Fassen Sie die Zecke dazu mit einer Zeckenzange oder -karte oder einer Pinzette hinter den Kopf und hebeln beziehungsweise ziehen Sie sie gerade heraus. Bitte nicht drehen! Die Zecke hat kein Schraubgewinde, sondern kräftige Mundwerkzeuge mit Widerhaken. Vor Hausmittelchen wie Creme, Öl, Kleber oder Nagellackentferner warne ich eindringlich. Vor dem Tod der Zecke durch Ersticken sondert sie besonders viel erregerhaltigen Speichel ab oder übergibt sich in ihren Wirt. Dadurch erhöht sich die Infektionsgefahr erheblich.

Zu weiteren Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden können, zählen die Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Während die FSME-Viren beim Menschen Hirnhaut- und Hirnentzündungen hervorrufen, erkranken Hunde selten daran.