Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Kleingärten: Stadt setzt auf Dialog

Von Nicole Pätzold | 07.06.2017, 08:00 Uhr

Bundesprojekt mit externen Experten soll Entwicklungskonzept für traditionsreiches Stadtgrün und Urban Gardening hervorbringen #wirkoennenrichtig

Für mehr Grün und weniger Streit erarbeitet das Grünamt die nächsten drei Jahre ein Kleingartenentwicklungskonzept, an dem die Gärtner aktiv beteiligt werden sollen. „Es ist eines von zwölf Modellprojekten in der Bundesrepublik, die sich der zukunftsweisenden grünen Infrastruktur zuwenden“, sagt Ute Fischer-Gäde. Der Schwerpunkt auf Kleingärten ist Rostock eigen und bewusst gewählt. „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit. Ich möchte diese Konflikte nicht mehr haben“, erklärt die Leiterin des Grünamtes. Zu diesen komme es in den letzten Monaten und Jahren verstärkt, wenn die Bauvorhaben der Stadt – mit der Ambition, dem wachsenden Wohnbedarf für 25 000 Neurostocker bis 2035 entgegenzukommen – auf die 15 000 Parzellen der Kleingärtner treffen.

Wie eingeschränkt, verunsichert dadurch viele Kleingärtner sind, zeigte sich bei der gestrigen Auftaktveranstaltung zum ersten offenen Austausch im Festsaal des Rathauses. Nachpächter zu suchen sei schwierig, wenn fraglich ist, ob und wie lange die Anlage Bestand habe, war von Vertretern der Anlagen Alt-Bartelsdorf oder auch Pütterweg zu hören. Dazu käme die starke emotionale Betroffenheit derer, die einen Garten nach Jahrzehnten aufgeben mussten.

Wie es um Rostocks Kleingärten bestellt ist, deren Qualität, Nachfrage oder auch Altersstruktur, will Maria Julius vom Lübecker Landschaftsarchitekturbüro TGP rausstellen. Die Stadt hat die Experten engagiert, um das zu ermitteln, daraus abgeleitet Vorschläge für die einzelnen Anlagen – von Förderungen für den Ausbau, über Bestandsschutz bis zur Teilung von Parzellen – zu unterbreiten, aber auch den Dialog zu führen. In anderen Städten, etwa in Kiel, wurde es schon tätig – dort mit dem Ergebnis „Kleingärten fehlen“, die Politik verständigte sich auf mehr Schutz, Ersatzgärten und dergleichen.

Das motivierte den Vorsitzenden des Rostocker Verbandes der Gartenfreunde, Christian Seifert, zur Kooperation, sagte er. Einen ersten Erfolg hätten die Kleingärtner errungen. Die 122 Parzellen große Anlage Satower Straße sollte, wenn das zu Biestow gehörige Wohngebiet Kiefernweg erschlossen wird, mittig durch eine Straße zerteilt werden. „Es ist wahrscheinlich, dass man dort auf unseren Vorschlag eingeht“, so Seifert. Der Weg könnte an der Anlage vorbeigeführt werden.

Das würde aber dennoch Parzellen kosten, betonte Matthias Horn, Referent für Stadtentwicklungsfragen beim Oberbürgermeister. Und das sei beispielgebend. Ganz ohne Parzellen zu opfern, werde der Wohnungsbau in der Stadt nicht vorankommen. Doch die Planer seien kommunikationsbereit. Das betonte auch Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne): „Lassen Sie uns gemeinsam die Stadtentwicklung debattieren. Noch ist nichts entschieden.“