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Rostock Kliniken streiten um Frühchen-Station

Von Torben Hinz | 25.05.2012, 12:21 Uhr

Tauziehen zwischen Rostocks Krankenhäusern: Sowohl Uni- als auch Südstadtklinikum beanspruchen die Neonatologie für sich.

Die Versorgung der Frühchen und kranken Neugeborenen ist seit Ende 2004 in der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt angesiedelt. Anlass war die Neustrukturierung der beiden Rostocker Medizin-Standorte innerhalb des Landeskrankenhausplans.

"Seit damals ist die Neonatologie ein streitig diskutiertes Thema gewesen", sagt Renate Fieber, Direktorin des Südstadtkrankenhauses. Die Uniklinik zog vor Gericht, will die alleinige Kontrolle zurückhaben. Jetzt, fast acht Jahre später, steht das Urteil kurz bevor. "Wir erwarten es für Juni", so Fieber. Ihr zufolge gebe es zwar eine Tendenz des Gerichts, für die Patienten solle sich aber in jedem Fall nichts ändern: "Der Behandlungs- und Betreuungsprozess bleibt gleich."

Auf Seiten der Uniklinik ist man optimistisch, mit der Klage Erfolg zu haben. Zugleich allerdings sind die Verantwortlichen sich auch der Brisanz bewusst. "Es geht um ein sehr heikles und emotional besetztes Thema", sagt Sprecher Matthias Schümann. Im Erfolgsfall könnte der bestehende Träger-Betreiber-Vertrag für die Neonatologie mit dem Südstadtklinikum aufgelöst werden.

Aktuell päppelt das Team der Neonatologie jedes Jahr rund 300 Frühchen wieder auf. Besonders gefordert ist es bei den 50 bis 70 seiner Patienten, die bei der Geburt weniger als 1500 Gramm auf die Waage bringen. "Bei ihnen besteht ein besonderes Risiko und sie brauchen sehr intensive Betreuung", sagt Chefarzt Dr. Dirk Olbertz. Damit die Babys angemessen versorgt werden können, werden sie rund um die Uhr überwacht. Über einen Monitor, der jeweils einem Patienten zugewiesen ist, werden dem Pflegepersonal wichtige Daten geliefert, etwa die Herztätigkeit, der Blutdruck und die Atmung. Nur so sei es möglich, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, sagt Olbertz.

In Härtefällen könne der Klinik-Aufenthalt mehrere Monate dauern. Die Eltern haben in dieser Zeit uneingeschränkten Zugang zu ihren Sprösslingen, sodass beide Seiten eine emotionale Bindung zueinander aufbauen können. Das soll unabhängig vom Gerichtsurteil auch so bleiben. Denn schaden wollen den Eltern und ihrem Nachwuchs weder die Uni- noch die Südstadtklinik.