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Klassische Musik Konzerten für Teens droht das Aus

Von Redaktion svz.de | 13.03.2015, 09:00 Uhr

Kreuzfahrt-Reederei Aida zieht sich zurück. Ohne neue Geldgeber steht die Zukunft der Bildungsreihe auf dem Spiel.

Mehr als 7000 Schüler, die an zwei Tagen in fünf Veranstaltungen die Chance bekommen, klassische Musik live zu erleben – manche von ihnen zum ersten Mal und das auch noch völlig kostenfrei. Das war die Idee des ehemaligen Intendanten des Volkstheaters, Peter Leonard, der 2009 die Konzerte für Teens ins Lebens rief.

Nur mit der finanziellen Unterstützung des Kreuzfahrtunternehmens Aida in Höhe von 10 000 Euro jährlich war es dabei möglich, den Schülern aus Rostock und Umgebung dieses kulturelle Erlebnis kostenfrei anzubieten. Denn zwar verzichten die Musiker auf ein Honorar, aber die Kosten in Höhe von 8000 Euro für die Miete der Ospa-Arena, Notenblätter, Technik und Gema-Gebühren wurden bisher stets mithilfe des Sponsoren beglichen.

„Doch Aida hat sich entschlossen, die Förderung der Konzerte auslaufen zu lassen“, sagt Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer des Volkstheaters. Bereits in diesem Jahr hatte sich das Unternehmen nicht mehr an den Kosten für die Umsetzung beteiligt, sodass das Theater diese allein zu tragen hatte, so Rosinski.

Die Entscheidung begründet Hansjörg Kunze, Sprecher des Kreuzfahrtunternehmens Aida, mit dem Leitungswechsel am Volkstheater. „Die Konzerte für Teens entstanden als Projekt von Peter Leonard – als sein Baby“, sagt Kunze. „Wir wollen dem neuen Intendanten die Möglichkeit geben, neue, eigene Projekte zu entwerfen. Dabei werden wir ihn dann gern wieder unterstützen.“

Manfred Hermann Lehner, Erster Kapellmeister der Norddeutschen Philharmonie, dirigiert und moderiert die Konzerte als Nachfolger von Leonard bereits seit fünf Jahren und betont deren deutschlandweite Einzigartigkeit. „Den Schülern wird gezeigt, was das Theater der Hansestadt – ihr Theater in ihrer Stadt – zu bieten hat“, sagt Lehner. Es sei ein wichtiger Teil der Kultur- und Bildungspolitik Rostocks.

Zum Erhalt und der zukünftigen Finanzierung der Konzerte für Teens ruft auch der Senator für Schule und Jugend, Steffen Bockhahn (Linke), ortsansässige Unternehmen auf. Dabei müsse nicht zwingend ein Unternehmen allein die Kosten tragen, auch ein Splitting sei denkbar. Eine Möglichkeit, die Konzerte durch Mittel der Stadt zu finanzieren, sehe er derzeit allerdings nicht, so Bockhahn.

Als „Kollateralschaden für die kulturelle Gesellschaft der Stadt“ bezeichnet Geschäftsführer Rosinski insgesamt den Imageverlust, den das Volksheater im Zuge der monatelangen Debatten um den Erhalt oder die Schließung von Sparten erleiden musste. Dass Sponsoren aktuell eher verhalten auftreten, sei kein Wunder.