Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Kringelgraben droht zu brechen

Von Nicole Pätzold | 23.06.2017, 12:00 Uhr

Rohrdurchlass auf Höhe Neue Reihe stark beschädigt. Straße könnte absacken. Neubau kostet 30.000 Euro.

Der verrohrte Durchlass des Kringelgraben-Baches muss dringend ersetzt werden. Er soll auf Höhe der Straße Neue Reihe so stark gerissen sein, dass die Straße absacken könnte. Dafür hat der Hauptausschuss die Freigabe von 30 000 Euro aus dem städtischen Haushalt beschlossen.

„Es ist aufgrund des schlechten Zustandes des Durchlasses davon auszugehen, dass bei weiteren Verzögerungen irreparable Schäden an der Straße entstehen“, so das Amt für Verkehrsanlagen. Auswirkungen auf benachbarte, bebaute Grundstücke könnten nicht ausgeschlossen werden. Wenn das passiert, wäre die Stadt schadenersatzpflichtig. Das würde Kosten bedeuten, „die weit über die Kosten für eine Erneuerung des Durchlasses hinausgehen würden“. Für den Kringelgraben, der teils offen, teils verrohrt durch die Südstadt und Biestow verläuft, ist eigentlich der Wasser- und Bodenverband Untere Warnow – Küste zuständig. Doch gemäß des Straßen- und Wegegesetzes des Landes ist an der Stelle, an der sich Gewässer und Straße kreuzen, der Straßenbauträger zuständig für die Unterhaltung. In diesem Fall ist das die Hansestadt, das Amt für Verkehrsanlagen. Das wusste bisher nichts von den Schäden am Durchlass – erst durch den Wasser- und Bodenverband. Der hatte den verrohrten Gewässerabschnitt per Kamera inspiziert und festgestellt, dass der Durchlass beschädigt ist, von innen deutliche, irreparable Risse erkennbar sind. Der Durchlass muss neu gebaut werden – Kosten 25 000 bis 30 000 Euro. Das Amt will das noch detaillierter ausweisen und auch die zusätzlichen Kosten, die sich ergeben werden für den Straßenaufbau, -unterbau, die Versorgungsleitungen und die Umleitung für die Baustelle, angeben. Weitere Fälle wie dieser sind nicht ausgeschlossen. Der Durchlass war bisher noch nicht im Inventar des Amtes, die Zuständigkeit damit nicht offenbar. Das Amt kontrolliert jetzt erfasste und unerfasste Kreuzungsbauwerke in der Stadt auf ähnliche Probleme.

Hintergrund: Verrohrung

  • In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele Gewässer in Rostock, meist wegen der Landbewirtschaftung, in Abschnitten verrohrt.
  • Für Wasserhaushalt und die Hochwassersicherheit brachte das aber laut Umweltamt mehr Nach- als Vorteile. Nun soll bei jeder Gewässerausbaumaßnahme auch eine Entrohrung angestrebt werden.
  • Der Wasser- und Bodenverband unterhält zirka 34 Kilometer verrohrte Gewässerabschnitte in der Hansestadt.
  • Beispiele: Die Hasenbäk verläuft verrohrt unter dem Ulmenmarkt, der Kayenmühlengraben unter der Max-Eyth-Straße, er wird mit dem Bau im Werftdreieck renaturiert.
Kommentar von Nicole Pätzold: Zu Straßen jetzt auch Gewässer?
Das ist ärgerlich und hätte teuer werden können, hätte der Wasser- und Bodenverband nicht im scheinbar vorletzten Moment kontrolliert. Schon oberirdisch hat das Amt für Verkehrsanlagen mit Straßenschäden zu tun. Frost, Hitze, Arbeiten im Erdreich – alles Mögliche wirkt sich auf den Straßenbelag aus. Und nun das. Klar formal zuständig ist das Amt, wenn es das Landesgesetz sagt. Aber muss das nun anfangen, unterirdisch alle Kreuzungsbauwerke zu kontrollieren oder wäre eine noch erweiterte Kooperation mit dem Verband nicht sinnvoller?