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Warnemünde Kritik an Schutzwand-Plan

Von Redaktion svz.de | 11.11.2017, 16:00 Uhr

Bürgerinitiative Sturmflutschutz Südende Alter Strom lehnt Bauvorhaben von Stadt und Land in jetziger Form ab. #wirkoennenrichtig

Die Schutzmauer am Südende es Alten Stroms soll erneuert werden, um die Anwohner auch künftig vor Sturmfluten zu schützen. Seit mehr als fünf Jahren plant das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) einen Neubau. Doch das Vorhaben erntet in seiner jetzigen Form Kritik von der 2012 eigens gegründeten Bürgerinitiative Sturmflutschutz Am Südende Alter Strom. Gestern sind die Mitglieder zusammengekommen, um zu beraten, wie das Projekt noch geändert werden könne.

Die Baupläne sehen vor, die 1972 errichtete Betonmauer zu erneuern und diese mittels Verschraubungstechnik in vier Phasen sukzessive zu erhöhen – von 2040 an bis 2140 auf eine Höhe von 3,25 Metern über dem Meeresspiegel. Das Problem: „Es ist ein sehr aufwendiges, kostspieliges Verfahren für ein bei uns sehr seltenes Ereignis“, sagt Initiativensprecher Lutz Postel. So könne eine Sturmflut mit Genauigkeit 36 Stunden im Voraus erkannt werden. Stattdessen schlagen er und seine Mitstreiter vor, auf die komplizierte Verschraubungstechnik zu verzichten und nur bei Bedarf Dammbalken auf die Schutzwand aufzusetzen. Dass das Prinzip realisierbar sei, zeige sich an Beispielen am Timmendorfer Strand und in Heiligendamm.

Hinzu komme, dass der Mauer-Plan die Sichtachsen von Land- wie Wasserseite so empfindlich störe, dass die Kapitänshäuser in dem denkmalgeschützten Gebiet viel stärker verdeckt würden. Auch die geplanten Durchgänge auf dem 500 Meter langen Abschnitt müssten gemäß jetziger Planung während der Hochwassersaison von Mitte August bis Mitte März komplett geschlossen bleiben – eine Herausforderung für Anwohner, Bootsanlieger und Angler, so der Tenor.

Schon 2012 hatten die 30 Mitglieder von Sturmflutschutz Alter Strom gegen den zuerst favorisierten Bau einer Betonmauer mit aufgesetzter Glaswand aufbegehrt – mit Erfolg. Wegen der hohen Anfälligkeit für Vandalismus und neuen Berechnungen des Wasserstands wegen des Klimawandels wurden die Pläne ad acta gelegt.

Insgesamt aber kritisiert die Initiative vor allem die fehlende Beteiligung. „Wir verstehen uns nicht als Empfänger einer Leistung, sondern wollen mitreden und mit wirken“, sagt Postel. So habe das zuständige Umweltministerium bisher schlicht gar nicht auf die Vorschläge reagiert. Unterstützung erhofft sich die Initiative jetzt vom Warnemünder Ortsbeirat. Auf dessen Sitzung am Dienstag wird ein Vertreter des Stalu MM die aktuellen Baupläne vorstellen. Auch Mitglieder der Initiative wollen ihr Anliegen vortragen.