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Norddeutsche Neueste Nachrichten Küppers wegen Untreue verurteilt

Von Ise Alm | 13.10.2011, 08:22 Uhr

Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung plus 20 000 Euro Geldbuße wegen Untreue in neun Fällen – so lautete am Donnerstag das Urteil der Wirtschaftskammer des Landgerichtes Rostock für den ehemaligen Geschäftsführer der Wiro, Bernhard Küppers (70).

Die frühere Prokuristin des Wohnungsunternehmens, Dr. Evelyn R., muss wegen Untreue in vier Fällen eine Geldstrafe von 15 000 Euro zahlen. Der Vorsitzende Richter wies den Angeklagten Rechtsmachtmissbrauch und Pflichtverletzung zum Schaden der Wiro nach. Beide hätten gesetzliche Festlegungen gröblichst missachtet. So führten sie die Kautionen der Mieter im Vermögen des Unternehmens, was dem Gesetz widerspricht. Als die Hamburg-Mannheimer Versicherung den Schutz der Kautionen aufkündigte und in Deutschland kein anderer Rückversicherer gefunden werden konnte, übernahm ein Unternehmen in Texas die Versicherung. Wenn auch die Angeklagten davon ausgingen, dass die Wiro niemals in Insolvenz geraten würde, bestand ab 2003 massive Unterversicherung und es gab zwischenzeitlich sogar eine versicherungsfreie Zeit. Trotz erheblicher Fehler wurden die Verträge kritiklos unterschrieben und rund 500 000 Euro an die texanische Versicherung gezahlt, obwohl der Vertrag sinnlos war. Großer Schaden entstand der Wiro durch die leichtsinnige Übernahme einer Kreditbürgschaft von 1,2 Millionen Euro für die Mader KG. Das Quelle-Versandhaus in der Trelleborger Straße sollte durch die Baufirma aufgestockt werden. Da die Mader KG mit Handwerkerrechnungen über 600 000 Euro und einem Kredit von 4 Millionen Euro bereits tief in der Kreide stand, hatte die Ostseesparkasse (Ospa) weitere Forderungen schon zweimal abgelehnt. Am 23. Februar 2001 unterschrieb aber Küppers eine Bürgschaftserklärung für den Kredit, ohne die Liquidität der Baufirma ausreichend zu prüfen. Die Mader KG musste Insolvenz anmelden, die Ospa verlangte ihr Geld zurück. Die Wiro musste mehr als 500 000 Euro zahlen. Auch die so genannten Studienreisen des Aufsichtsrates und städtischer Mitarbeiter, die „privattouristischer Art“ waren, legte das Gericht auf Küppers Konto. Am Beispiel einer Romreise, die für die Reisegesellschaft eine Privatführung durch die Vatikanischen Museen einschloss, wies der Richter das eigentliche Ziel der von Küppers organisierten Touren nach, nämlich den „Aufsichtsratsmitgliedern zu schmeicheln“. Hohe Getränke- und Hotelrechnungen und 30 000 Euro für eine Flugreise nach Maastricht zahlte die Wiro. Kosten für Hotels wurden von den Reisenden zwar im Nachhinein beglichen, aber erst als die Sache publik wurde.Dass sich die Angeklagten nicht persönlich bereicherten, nicht vorbestraft sind und ihre Stellung verloren, wertete das Gericht zu ihren Gunsten. Bernhard Küppers fühlt sich als Opfer des Oberbürgermeisters Methling (parteilos). „Das ist ein miserables Urteil, wie auch der ganze Prozess“, so Verteidiger Dr. Graf. Er kündigte an: „Wir gehen in Revision.“