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Kampf ums Tis Kultur steht auf der Straße

Von IANE | 03.08.2015, 10:00 Uhr

Mitglieder des neuen Schauwerk-Vereins suchen nach einer alternativen Immobilie – und wünschen sich dabei Unterstützung.

Zuerst saß der Schock tief. Eigentlich hatten die Betreiber des Schauwerks große Pläne für die neue Heimstätte der freien Kultur im Theater im Stadthafen. Doch dann wurde der Mietvertrag überraschend nicht verlängert. Die Kultur saß auf der Straße – mal wieder.

Noch immer ist den engagierten Akteuren rund um Christof Lange die Enttäuschung anzumerken. Doch inzwischen haben sie die Ärmel hochgekrempelt, wollen nicht kampflos einfach so wieder das Feld räumen. „Der Schauwerk-Verein ist gegründet“, sagt Tanzland-Chef Peter Mann. „Und das ist ein gutes Dach, unter dem wir weiter zusammenarbeiten wollen.“

Mit dem Schauwerk hatten die Macher viel vor. Bis zum Ende des Jahres standen etwa 25 Veranstaltungen pro Monat im Programm, Kooperationen waren bereits geschlossen. Doch dann kam alles anders. Der Kommunale Eigenbetrieb für Objektbewirtschaftung (KOE) verlängerte den Mietvertrag nicht. Die Begründung: „Der Mietvertrag mit dem Schauwerk Theater- und Kulturbetrieb war nicht kostendeckend“, heißt es in einer Stellungnahme. Und das sei natürlich korrekt, räumt Lange ein: „50 Prozent der ermäßigten und 30 Prozent der regulären Einnahmen aus den Kartenverkäufen gingen an den KOE. Aber natürlich ist die Summe jetzt, da wir uns in der Anfangsphase befinden, noch nicht so hoch, wie sie für ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen wie den KOE sein müsste.“ Darum hatten die Theatermacher die Anzahl der Vorstellungen deutlich erhöhen wollen. Außerdem hatten sie auf einen Dialog mit KOE und Stadtverwaltung gehofft, um gemeinsam eine Lösung zu finden. „Den Vorschlag einer Kulturmiete fand ich zum Beispiel sehr gut“, sagt Lange. Bei dieser würde ein fester Quadratmeterpreis für städtische Immobilien veranschlagt, wenn der Mieter ein Kulturträger ist.

Doch der Dialog blieb aus. Am 22. Juli gab der Chef der Theatergruppe Freigeister die Schlüssel für das Theater im Stadthafen zurück. Dabei hatte die Hochschule für Musik und Theater (HMT), deren Studenten in dem Haus ebenfalls eine willkommene Bühne fanden, gerade noch in die Technik investiert. „Entsprechend der mietvertraglichen Vereinbarung und zur ordnungsgemäßen Erfüllung dieser Pflichten zahlte die HMT die Wartungskosten für einen Teil der technischen Ausstattung“, bestätigt der KOE. Dazu hatten unter anderem die Bühnentechnik und elektrische Geräte gehört.

Nun steht das Theater vorerst leer. Der KOE erklärt: „Aufgrund des anhängigen Gerichtsverfahrens und damit einhergehend einer Entscheidung zu juristischen Grundsatzfragen gibt es zurzeit keine Pläne für das Theater im Stadthafen.“ Näheres möchte der Eigenbetrieb nicht mitteilen und verweist auf das laufende Gerichtsverfahren. Das Schauwerk will sich weiter um eine Immobilie bemühen. Amrey Vollmer, Inhaberin des gleichnamigen Tanzstudios, betont jedoch: „Eigentlich gibt es keine Alternativen. Das Schauwerk war ideal beispielsweise für Auftritte meiner Kindertanzgruppen – weder zu groß noch zu klein.“