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Papendorf Landwirte fordern mehr Hilfe

Von AENG | 24.08.2018, 12:00 Uhr

Dürre: Allein die Papendorfer Agrargenossenschaft rechnet mit rund 500 000 Euro Schaden. Bund und Länder geben 340 Millionen Euro.

Mühsam kämpft sich Steffen Strempel mit tonnenschwerem Gerät durch den trockenen „Wüstensand“. Von einer dicken Staubwolke umgeben bringt die Drillmaschine die Rapssaat in den verödeten Boden. „Jetzt kann man nur noch auf Regen hoffen“, sagt Steven Hirschberg, Vorsitzender der Papendorfer Agrargenossenschaft und blickt besorgt über das Feld.

Wie in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat die Dürre der letzten Monate auch in Mecklenburg-Vorpommern deutliche Spuren hinterlassen – trockene Felder und Ernteeinbußen machen den Landwirten hierzulande zu schaffen. „Erst der feuchte Herbst und dann die Dürre. Das, was wir gerade so bei der starken Nässe reinschmieren konnten, ist dann auch noch vertrocknet. Wir rechnen mit Einbußen um eine halbe Million Euro, aber so ganz ist der Ertragsverlust noch nicht messbar“, erklärt Hirschberg. Besonders der Weizen und der Mais haben unter der Hitze gelitten. „Es ist noch nie da gewesen, dass bereits im August der Mais gehäckselt wird. Die Weizenerträge sind zwar weltweit schlecht ausgefallen, doch in MV handelt es sich um die Hauptanbaukultur“, erklärt der Landwirt. Damit droht womöglich so manchen Bauern im Land eine wirtschaftliche Notlage.

Um die 10 000 Höfe in Deutschland sollen in ihrer Existenz bedroht sein. Deshalb haben Bund und Länder den betroffenen Bauern nun Dürrehilfen von insgesamt 340 Millionen Euro zugesagt. 150 bis 170 Millionen werden vom Bund und die andere Hälfte von den Ländern bereitgestellt. Voraussetzung für eine entsprechende Hilfe: Der Ertrag muss mindestens 30 Prozent unter dem durchschnittlichen Jahreserzeugnis liegen. Hirschberg rechnet damit, dass erst am Jahresende die ersten Formulare zur Beantragung von Hilfen auf den Tischen der Landwirte liegen. „Es sind jetzt noch viele Fragen offen, denn noch niemand weiß, welches Amt zuständig sein wird, wann und wie die Mittel zur Verfügung gestellt werden und wer eigentlich ermitteln soll, wer die Hilfe benötigt. Fest steht nur, dass dies die Länder selbst regeln“, so Hirschberg.

Der Landwirt ist dankbar für die Hilfe, aber eigentlich sei sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die Entschädigungen dienen überwiegend zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Begleichung von Vertragsstrafen bei Nichtlieferung von bereits vorbestellten Erzeugnissen sowie zur Rettung der Banken, die sich auf Landwirtschaft spezialisiert haben“, erklärt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft. „Sicherlich müssen wir umdenken, aber gleich den gesamten Anbau zu revolutionieren wäre zu überstürzt. Neue Kulturen zu züchten, dauert viele Jahre. Wenn diese dann resistent gegenüber Trockenheit sind, kommt die große Nässe. Die Wetterverhältnisse müssen noch weiter beobachtet werden.“