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Rostock Lichtenhagen-Stele enthüllt

Von Katrin Zimmer | 25.08.2018, 16:00 Uhr

Hansestadt setzt mit „Empathie“-Säule auf dem Doberaner Platz Zeichen für Mitgefühl statt Fremdenhass.

Ein frischer Wind streicht mahnend über den Doberaner Platz, als hebe die Natur den Zeigefinger vor dem, was heute vor 26 Jahren rund um das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen geschehen ist. Gut 200 Menschen haben sich versammelt, um die Stele „Empathie“, geschaffen von der Künstlergruppe Schaum, zu enthüllen. Sie ist das sechste Werk der Skulpturenreihe gegen Fremdenfeindlichkeit in Rostock.

Es sei kein schöner, aber ein wichtiger Anlass, sagt Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD), bevor er mit den Initiatoren und Spendern des Waldemar Hofs die weiße Skulptur enthüllt. „Empathie ist die Fähigkeit, Gefühle und Emotionen bei anderen zu erkennen und nachzuempfinden, die Fähigkeit Mitgefühl zu zeigen“, beschreibt er die Bedeutung des Mahnmals, das zwei sich umarmende Menschen zeigt. Diese Botschaft richte sich nicht nur an die, die damals an den Ausschreitungen beteiligt waren, sondern an alle.

Der Standort der „Empathie“-Skulptur sei bewusst gewählt und hart umkämpft, erklärt Juri Rosov, Vorsitzender des Migrantenrats. „Wir wollten einen zentralen Platz, wo täglich viele Menschen vorbeikommen“, sagt er. Mit den vielen Läden und Cafés aus allen Ländern spiegele der „Dobi“ die Internationalität und Vielfalt der Stadt wider. Er selbst habe, als er vor 21 Jahren nach Rostock gekommen sei, nichts von Fremdenfeindlichkeit und den Ereignissen fünf Jahre zuvor gespürt, sei mit offenen Armen empfangen worden, so Rosov. „Empathie macht den Unterschied zwischen Gutmenschen und Wutbürgern aus“, sagt er. Besonders eindrucksvoll habe das in den letzten Jahren das Bündnis Rostock hilft bewiesen, das Geflüchteten beim Ankommen in der Stadt unterstützt.

Bereits zum 25. Gedenktag der Anschläge auf das Sonnenblumenhaus wurden fünf Stelen aufgestellt, die unter den Schlagwörtern „Politik“, „Medien“, „Gesellschaft“, „Staatsgewalt“ und „Selbstjustiz“ auf die Ausschreitungen und das Verhalten aller Beteiligten hinweisen sowie zu einem bewussten Umgang mit dem Thema anregen.