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Rezension Manege frei für den „Bajazzo“

Von Redaktion svz.de | 05.06.2018, 12:00 Uhr

Rostocker Volkstheater startet eindrucksvoll in die Sommersaison. Publikum wird in einen Strudel der Gefühle gezogen.

Ein Zirkus ist in die alte Schiffbauhalle 207 auf der ehemaligen Neptun-Werft eingezogen. Eine Manege, in der Gaukler eines Wanderzirkusses ihre Kunststücke zeigen und staunende Kinderaugen sie dabei beobachten. Sie alle sind Teil einer Inszenierung von Peter Lotschak, der das Experiment wagt, Theater und Zirkus zusammenzuführen.

Eine Oper der ganz großen Gefühle erlebte am Sonntagabend im Zuge des Volkstheatersommers ihre Premiere. Ruggero Leoncavallos Welterfolg „Der Bajazzo“ erzählt nicht von den Intrigen und Emotionen der Oberschicht, sondern zeigt das Leben und die Gefühlswelt der einfachen Menschen. Inmitten der Welt fahrender Schausteller ereignet sich ein mitreißendes Drama um Liebe und Eifersucht. Canio, der Prinzipal eines Wanderzirkusses erfährt, dass seine Frau Nedda einen Bauern liebt und das Schaustellerleben aufgeben möchte. Vergebens versucht er, den Namen des Liebhabers von seiner Frau zu erfahren. Als am Abend die von den Dorfbewohnern sehnlichst erwartete Vorstellung beginnt, spielen die Schausteller ein Stück, das die wahren Beziehungsverhältnisse in der Truppe spiegelt. Für Canio in seiner Rolle als Bajazzo verschwimmen plötzlich Schauspiel und Wirklichkeit, bis er schließlich vor Eifersucht aus seiner Rolle fällt.

Liebe und Intrigen und dann fließt auch noch Blut, mehr kann Theater nicht bieten. Eindrucksvoll wird bewiesen, dass sich auch fernab intriganter Adelshäuser operntaugliche Leidenschaften entwickeln können. Das Publikum wurde in einen Strudel der Gefühle hineingezogen. Ein außergewöhnliches Theatererlebnis, ermöglicht durch eine Grenzen überschreitende Inszenierung, denn „Der Bajazzo“ ist eine Kooperation mit der Staatlichen Artistenschule Berlin und der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/ Neustrelitz. Während der Aufführung präsentierten Jongleure, Seilkünstler und Akrobaten ihr Können und wurden so zum Teil der Musiktheateraufführung.

Regisseur Peter Lotschak engagierte hierfür Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin, um den atmosphärischen Rahmen für das Schauspiel zu schaffen. Begleitet wurden sie von einer eigenen Zirkusband um John Carlson. Stimmgewaltig präsentierten sich die Dorfbewohner, die durch den Opernchor des Volkstheaters und den Kinderchor der Singakademie Rostock dargestellt wurden. Engagiert spielenden Musikern der Norddeutschen Philharmonie Rostock unter der Leitung des Dirigenten Manfred Hermann Lehner gelang die eindrucksvolle Untermalung des Dramas. Auch die Solisten des Volkstheaters überzeugten in gleicher Weise. Sie warteten mit vokalen und darstellerischen Glanzleistungen auf. Die akustischen Verhältnisse der Schiffbauhalle kamen den Sängern hier sehr entgegen. Beim Publikum verfehlte die Aufführung ihre Wirkung nicht.

Service: Weitere Vorstellungen am 7., 17., 22., 28. und 30. Juni sowie am

5., 11., 14. und 20. Juli.