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Rostock Medikament soll Demenz stoppen

Von Dana Bethkenhagen | 06.11.2012, 09:49 Uhr

Demenz ist eine gefürchtete Krankheit.

Etwa 1,2 Millionen Deutsche, die älter als 65 Jahre sind, leiden unter dem fortschreitenden Gedächtnisverlust. Heilbar ist die Krankheit nicht, denn einmal zerstörte Nervenzellen lassen sich nicht reparieren. Darum suchen Wissenschaftler seit einigen Jahren nach Möglichkeiten, die Krankheit zum Stillstand zu bringen, bevor sie irreparable Schäden anrichten kann. Nun verspricht ein neues Medikament Hoffnung für Menschen im Prädemenzstadium. In Rostock wird die Wirksamkeit gerade in einer Studie getestet. Dazu sucht Studienleiter Prof. Stefan Teipel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Rostock, nun noch Probanden.

Die Rostocker Klinik ist als eine von neun deutschen Einrichtungen an der neuen Alzheimer-Studie "Scarlet Road" beteiligt. "Wir können bis zu 20 Probanden in die Studie aufnehmen. Noch bis Ende des kommenden Jahres läuft die Rekrutierung", so Teipel. Bislang gebe es zwei Teilnehmer.

50- bis 85-Jährige bilden die Zielgruppe

Dass der Standort Rostock ausgewählt wurde, liegt Teipel zufolge daran, dass sich die Klinik mit ihrer Forschung in den vergangenen Jahren weltweit einen Namen gemacht hat. Zudem bringen die Mitarbeiter das nötige Wissen mit, um die Studienteilnehmer zu betreuen. Weil es momentan noch keine zugelassenen Medikamente gegen Alzheimer im Frühstadium gibt, ist eine Studienteilnahme derzeit die einzige Möglichkeit für Betroffene, überhaupt etwas gegen ihre Krankheit zu tun.

Um am Ende Aussagen über die Wirksamkeit des Medikaments treffen zu können, werden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhält das Medikament, die andere ein Placebo. Dabei liegt das Verhältnis bei zwei Drittel zu einem Drittel. Zwei Jahre dauert die Studie für jeden Teilnehmer. Als Probanden kommen Personen im Alter von 50 bis 85 Jahren in Frage. Sie sollten in den vergangenen zwölf Monaten einen fortschreitenden Gedächtnisverlust bemerkt haben. Dieser sollte auch Verwandten und Freunden aufgefallen sein. In Gesprächen wird zunächst geklärt, ob die Interessenten auch tatsächlich in Frage kommen. Dabei muss etwa ausgeschlossen werden, dass die zunehmende Vergesslichkeit nicht mit Depressionen oder dem Gebrauch von bestimmten Substanzen zu erklären ist. Mit Hilfe einer Untersuchung des so genannten Liquors, einer Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, kann eine Diagnose gestellt werden.

Ansatz ist aus ärztlicher Sicht vielversprechend

"Wir suchen nach bestimmten Biomarkern", erläutert Teipel. Denn bereits im Alzheimer-Frühstadium lassen sich Veränderungen der Proteinkonzentrationen im Gehirn nachweisen, die mit darauf hinweisen, dass sich der Gedächtnisverlust fortsetzt. "Das in der Erprobung befindliche Medikament kann das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit möglicherweise verzögern", sagt Teipel. Doch noch will er den Betroffenen nicht zu große Hoffnungen machen. Gleichzeitig sagt er: "Es ist ein vielversprechender Ansatz."

Studienteilnahme: Ansprechpartnerin Henrike Pfaff, Telefon 0381/494 47 67