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Rostock Milde Strafanträge im Drogenprozess

Von Ise Alm | 06.07.2018, 12:00 Uhr

Drei angeklagte Syrer legen Geständnisse ab und erhalten im Gegenzug glimpfliche Urteilsaussichten.

Der Prozess gegen drei junge Syrer vor der Jugendkammer des Landgerichtes Rostock hat eine überraschende Wende genommen. Ibrahim A. (19) als Hauptangeklagter, Mohamad S. (18) und Tamam H. (18), die an vorangegangenen Verhandlungstagen zu den Tatvorwürfen geschwiegen hatten, gaben ihre Haltung auf. Die Verteidigung bat um ein klärendes Gespräch und alle Gerichtsbeteiligten stimmten einem Beschluss zu, der für die beiden 18-Jährigen eine Bewährungsstrafe, die zwei Jahre nicht überschreitet, für möglich hält.

Für den Hauptangeklagten bedeutet er eine Haftstrafe, die zweieinhalb Jahre nicht unter- und drei Jahre nicht überschreitet. Vorausgesetzt ein Geständnis von allen Angeklagten. Die sehr gnädige Einsicht des Staatsanwalts, einige Anklagepunkte einzustellen, war vorausgegangen.

Die Angeklagten erklärten sich dann für schuldig. Sie gaben zu, in Rostock zwischen Juli 2017 und Februar 2018 mit kiloweise Marihuana und Haschisch gehandelt zu haben. Bereits am 19. Juli 2017 hatten sie in Berlin 1,5 Kilogramm Marihuana erworben und auf der Rückfahrt im Zug deponiert. Die Drogen wurden gefunden, die dazu gehörenden Dealer aber noch nicht. Bei allen Aktionen hatte Ibrahim A. die Fäden in der Hand. Er gab seinen Mitangeklagten Weisungen, wann sie mit Bus oder Bahn nach Berlin fahren und Nachschub holen sollten. Den Ermittlern gingen sie durch eine längere Telefonüberwachung ins Netz. Während einer Razzia auf dem Rostocker Hauptbahnhof am 8. Februar 2018 konnten zwei von ihnen festgenommen werden. Sie hatten Haschischplatten zu je 100 Gramm und 200 Ecstasy- Tabletten bei sich. Laut Staatsanwaltschaft haben die drei jungen Männer aus den Weiterverkäufen der Betäubungsmittel einen Gewinn von 22 465 Euro erzielt.

Der Staatsanwalt plädierte gestern nicht, wie ursprünglich angeklagt, auf bandenmäßigen Drogenhandel, sondern auf gemeinschaftlichen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln. Er beantragte für die beiden 18-Jährigen eine zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung. Für Ibrahim A. forderte er eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, ebenfalls nach dem Jugendgesetz. „Nicht unter Zurückstellung erheblicher Zweifel“, fügte er hinzu. Er sprach sogar von Bauchgrimmen.

Die Verteidiger blieben auch bei den Absprachen: Zweieinhalb Jahre für den Hauptangeklagten, Bewährungsstrafen von eineinhalb Jahren für Mohamad S. und ein Jahr und zehn Monate für Tamam H. Für die beiden 18-Jährigen wurden sofort die Haftbefehle aufgehoben. Sie konnten den Gerichtssaal als freie Männer verlassen. Das Urteil wird morgen verkündet.