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Ein Artikel der Redaktion NNN

So barrierefrei ist Warnemünde Mit einer Alu-Rampe ins Café

Von MAPP | 24.07.2018, 08:00 Uhr

Viele Unternehmer bemühen sich um Barrierefreiheit für Menschen mit Handicap. Warnemünderin Margarete Eichler zeigt auf, wo es noch hapert.

Das Heimatmuseum Warnemünde hat für Margarete Eichler inzwischen einen hohen Stellenwert. „Seit dem Umbau kommen Menschen mit Rollstuhl oder Rollatoren dort prima herein“, schwärmt die Warnemünderin, die seit Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Die NNN haben mit ihr das Ostseebad l unter dem Aspekt der Barrierefreiheit ins Visier genommen. Außer dem Heimatmuseum können Menschen mit Handicap weder ins Theater noch ins Munch-Haus oder Galerien, weil es überall Treppen gibt. Einer, der sich etwas einfallen lassen hat, ist Olaf Weber von Weber’s Mein Kaffeehaus in der Mühlenstraße. „Wir haben eine klappbare Rampe angeschafft, die wir bei Bedarf schnell anlegen können“, sagt der Gastronom. „Einer der Ersten, die einen rollstuhlgerechten Eingang in Warnemünde gebaut haben, war die Firma Meißner“, lobt Eichler. Sie wünscht sich am Ärztehaus am Kirchenplatz beim Eingang einen Taster, um ohne Hilfe hereinzugelangen Durch die Wärme steht die Tür momentan auf. An dieser Adresse wurde sehr viel investiert, unter anderem in einen Fahrstuhl. „Wenn wir einen Taster anbauen, besteht die Gefahr, dass jemand von der Tür getroffen wird, der darauf nicht gefasst ist“, erklärt Apothekerin Siglinde Lindauer.

„Ein weiteres Problem ist, dass einige der Toiletten die Euro-Schlösser entfernt haben, mit denen Menschen im Rollstuhl oder andere Schwerbehinderte Zutritt hatten“, kritisiert die Warnemünderin. In der Wachtlerstraße funktioniert der Schlüssel allerdings noch.

An ihre Grenzen kommen Rollifahrer auch in der OspaFiliale am Kirchenplatz. „Die Mitarbeiter sind freundlich, es mangelt nicht am Service“, betont Margarete Eichler. Aber mit dem Rollstuhl kommt man schwer an die Automaten, zu den Schließfächern können Rollifahrer gar nicht gelangen. „Es mangelt nicht an Hilfe, aber wir möchten möglichst viel ohne fremde Hilfe erledigen“, so Eichler. „Seit Jahren verwenden wir Selbstbedienungstechnik mit niedrigen Einschüben, richten absenkbare Tischchen ein. Allerdings ist die Ausstattung der Technik herstellerseitig vorgegeben, sodass wir auf die Höhe der Kartenleseeinheiten und der Bedienelemente keinen Einfluss haben“, so Ospa-Sprecherin Karin Schönmeier.

Einkaufen ist für Menschen mit Handicap ebenfalls nicht einfach im Ostseebad. Edeka führt bei den Einschränkungen. „Auch hier liegt es nicht am Personal, sie sind freundlich, aber es stehen zu viele Kollis mit Waren herum und durch die Menge ist grundsätzlich zu wenig Platz. Das ist auch in vielen anderen Läden so.

Zu wenig Platz gibt es auch bei vielen Gastronomen in der Mühlenstraße. Es ist kaum möglich, dass sich zwei Rollis in denDurchgängen begegnen können. Ein positives Beispiel findet sich am Warnemünder Strand. Strandkorbvermieter Matthias Treichel bietet dort einen Strandrollstuhl an, mit dem Menschen mit Handicap kostenlos und begleitet von Mitarbeiter Detlef Horst ins Wasser können. „Das Strahlen in den Augen der Rollifahrer ist nicht mit Geld zu bezahlen“, sagt Horst. „Es ist wünschenswert, dass die Betroffenen sich vorher telefonisch melden, damit jemand da ist, der ihnen helfen kann“, sagt er. „Das Projekt mit dem Strandrollstuhl ist einmalig an der Ostseeküste“, lobt Rostocks Behindertenbeauftragte Petra Kröger. Sie plant einen Lokaltermin zur Barrierefreiheit im Seebad.