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Rostock Mit Tipps und Tricks zum besten Pilz

Von Nicole Pätzold | 28.09.2012, 09:14 Uhr

Röhrlinge, Champignons, Täublinge - mit dem Herbst bricht auch die Hochsaison für Pilzfreunde an.

Aber wer gerade auf die Suche geht, wird unter Umständen enttäuscht. "Es ist bisher eine sehr schlechte Pilzsaison", sagt die Rostocker Pilzberaterin Ria Bütow. Der Sommer sei zu trocken gewesen und die letzten Regenfälle würden sich noch nicht unmittelbar auswirken.

Aber Ria Bütow und ihr Mann Willfried sind Profis. Für sie ist eigentlich das ganze Jahr Pilzsaison. Sie haben schon am Neujahrstag Pfifferlinge aufgespürt und werden auch jetzt fündig. Nur ist die Ausbeute eben kleiner. "Für ein schönes Abendessen reicht es immer", sagt Hobby-Mykologe Willfried Bütow. Er und seine Frau probieren verschiedenste Pilzgerichte aus, kochen, braten und dünsten. Langweilig werde ihnen das nicht, weil jeder Pilz anders schmecke.

In den Bücherregalen des Ehepaares finden sich Nachschlagewerke zuhauf, ständig bilden sich die beiden weiter. Pilze, die für den Laien absolut identisch aussehen, können die beiden unterscheiden. Notfalls greifen sie zum Mikroskop und untersuchen so neben Farbe, Form, Größe, Maserung und Geruch auch die Form der Sporen. Und dieses Wissen teilen sie gern. "Jetzt im Herbst gehen wir fast gar nicht sammeln, weil wir keine Zeit mehr haben", sagt Willfried Bütow. Die Pilzberater Rostocks, also auch seine Frau, bieten regelmäßig im Botanischen Garten am Wochenende Beratungen an. Viele Sammler kommen sogar zu Bütows nach Hause, um ihre Ernte begutachten zu lassen.

Die Pilz-Körbchen gucken die beiden dann genau durch. Den Grünen Knollenblätterpilz, einen besonders gefährlichen, weil hochgiftigen Pilz, behalten die Experten ein. Nur gegen Unterschrift geben sie den Pilz raus. "Wenn jemand ihn der Familie zeigen möchte", sagt Ria Bütow. Gegessen werden sollte der Pilz auf keinen Fall. Es gebe immer wieder tödliche Ausgänge, sagt die Pilzberaterin. "Daher sollte man diesen Pilz genau kennen", so Willfried Bütow. Aber viele seien gar nicht mehr informiert.

"Aus dem Biologieunterricht ist der Pilz fast raus", sagt Willfried Bütow. Er war selbst Lehrer für Deutsch und Sport. Die Lehrpläne hätten sich nun mal verändert. Und auch im Medizinstudium ist der Pilz alles andere als ein zentrales Thema. Deswegen melden sich neben Sammlern, die wissen wollen, ob ihre frische Ernte aus dem Wald auch wirklich essbar ist, auch Kliniken an. Die haben eine Liste mit allen Pilzberatern des Landes. Mitarbeiter bringen dann Pilzreste vorbei und lassen sie bestimmen. Denn je nach Vergiftung ist eine andere Behandlung nötig. Oft konnten die Experten helfen. Und auch für Sammler gilt: "Es hilft nur eins - Artenkenntnis", betont Ria Bütow.

Die können Interessierte heute und morgen bei der 34. Pilzausstellung im Botanischen Garten schulen. Amtlich anerkannte Pilzberater, wie Ria Bütow, betreuen die Galerie im Auftrag des Gesundheitsamtes. Um sie zusammenzustellen und möglichst viele heimische Kostbarkeiten zu finden, waren die Sachverständigen tagelang in Wäldern unterwegs. Daneben wird auch zu den Pilzen beraten.