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Stadtmitte Motorrad-Raser in Rostock

Von Torben Hinz | 23.09.2011, 07:25 Uhr

Wie auf dem Flugplatz fühlen sich die Anwohner der Langen Straße mittlerweile.

Dafür verantwortlich sind ganze Motorradgruppen, die sich vor ihrer Haustür versammeln und die Motoren ihrer Maschinen im Leerlauf hochreißen. "Die Dezibel-Zahlen liegen mit Sicherheit weit über 100", sagt Frank von Olszewski (Für Rostock), Bewohner der Langen Straße und Mitglied im Ortsbeirat Stadtmitte. Oftmals ziehe sich das über mindestens zwei, drei Stunden hin. "Das ist ein Lärmterror, der nicht hinzunehmen ist", sagt er.

Doch damit nicht genug, die Motorradfahrer nutzen die Fahrbahn auch für ihre Stunts. Nur auf dem Hinterrad und freihändig rasen sie die Strecke entlang. "Das habe ich schon mit Tempo 150 erlebt", sagt ein Anwohner. Reaktionszeit bleibe da keine mehr, wenn mal ein unachtsamer Fußgänger oder ein kleines Kind die Straße überqueren wolle. "Die fahren auch gerne zwischen den Straßenbahn-Pollern und über die Fußgängerüberwege", sagt von Olszewski.

Saison läuft von März bis Oktober

Zwar gebe es das Problem schon lange, in diesem Jahr sei es aber besonders schlimm. Vor allem bei Sonnenschein und an Wochenenden zwischen März und Oktober würden sich die Motorradfahrer in der Langen Straße versammeln und sie in eine Rennstrecke verwandeln. "Die Polizei reagiert eigentlich gar nicht", so von Olszewski.

Dabei ist das Problem bekannt, versichert Steffen Nozon vom Amt für Umweltschutz. Es sei aber nur durch versteckte Kontrollen zu lösen, wie es sie bis vor ein paar Jahren auch regelmäßig gegeben habe. Zwischenzeitlich seien diese aus Personalmangel eingestellt worden. "Sie sollen im nächsten Frühjahr wieder aufgenommen werden", sagt Nozon. Jetzt, kurz vor Ende der Motorradsaison, würde sich der Aufwand nicht mehr lohnen. Neben Umweltamt und Polizei sollen an den Kontrollen dann auch wieder Experten von der Dekra beteiligt werden. Denn häufig seien die Maschinen nicht TÜV-gerecht. "Das ist eine komplexe Geschichte", so Nozon. Gemessen würden bei den umfassenden Kontrollen außer der Geschwindigkeit auch noch Standgeräusch und Schallpegel.

Ein Motorradverbot wie in der Seestraße in Warnemünde hält der Experte für nicht tragbar. "Warnemünde hat einen Kurortstatus", sagt er. Und gerade in der Seestraße seien viele Hotels und Pensionen angesiedelt, deren Gäste durch ihr hohes Ruhebedürfnis ein Verbot rechtfertigten. In der Langen Straße hingegen sei dieser Sonderstatus nicht gegeben. Außerdem könne es auch nicht im Interesse des Einzelhandels oder der Cafés in dem Bereich sein, die Motorradfahrer zu verbannen. "Für die Geschäfte ist das eine interessante Zielgruppe", sagt Nozon. Für die Maschinen seien sogar eigene Parkplätze eingerichtet worden.

Das Problem beschränke sich auch nicht auf die Innenstadt. "Betroffen sind vor allem große Straßen wie die Stadtautobahn, der Südring oder die L 22, wo Motorradfahrer gerne schneller und laut fahren", sagt Nozon. Wo es weitere Problemgebiete gebe, wüssten die Bürger am besten. Dabei fielen meist nicht die großen Harley-Davidson-Maschinen negativ auf, sondern eher die Sportmotorräder. Diese seien oftmals auch noch frisiert.

"Jeder hat das Recht zur Anzeige"

Ortsamtsleiterin Stephanie Hameister rät den Bürgern zu mehr Eigeninitiative. "Es gibt Gesetze und jeder hat das Recht zur Anzeige", sagt sie. Wichtig dabei sei, dass neben Datum und Uhrzeit auch das Kennzeichen der Unruhestifter erfasst werde. "Sonst wird es unwahrscheinlich schwierig etwas zu tun", so Hameister. Schließlich könnten weder Polizei noch Verwaltung 24 Stunden am Tag an jeder Ecke der Stadt präsent sein. "Da sind wir auf die Bürger angewiesen." Vor vier, fünf Jahren habe es das Problem schon einmal massiv in der Langen Straße gegeben. Ihre Erfahrung damals: Solange die Täter nicht identifiziert werden können, passiere überhaupt nichts. Dann verstaube die Anzeige gegen unbekannt schnell in den Polizeiakten.