Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Mehrjährige Freiheitsstrafen für Raub und Erpressung Motorradrocker vor Gericht

Von Corinna Pfaff | 10.10.2011, 07:50 Uhr

Sie nennen sich irreführend "Rocker". Die Polizei spricht von Organisierter Kriminalität und lässt die Szene nicht aus den Augen: Durchsucht ihre Wohnungen und Clubhäuser wie jüngst in Greifswald und Anklam.

Sie nennen sich irreführend "Rocker". Die Polizei spricht von Organisierter Kriminalität und lässt die Szene nicht aus den Augen: Durchsucht ihre Wohnungen und Clubhäuser wie jüngst in Greifswald und Anklam und schreitet auch bei scheinbar harmlosen Delikten konsequent ein. Etwa 30 "polizeilich relevante" Rocker-Gruppierungen zählen die Ermittler landesweit, bekannte darunter wie die Hells Angels in Mecklenburg. Und die Bandidos, die eher in Vorpommern agieren.

Diesem Motorradklub - 1966 in den USA gegründet - rechnet die Staatsanwaltschaft die drei Männer zu, die sich gestern vor dem Landgericht Neubrandenburg verantworten mussten.

Der 37 Jahre alte F. ist laut Anklage Mitglied der Bandidos. T., 29 Jahre alt, soll einer sogenannten Supporter-Gruppe der Motorrad-Gang angehören und der 31-jährige L. zumindest Sympathisant sein. Das Ermittlungsverfahren, das gegen die drei eingeleitet wurde, ist nach Angaben des Landeskriminalamtes eines von etwa 50 im Rockermilieu in diesem Jahr.

Die Männer, alle drei sitzen seit rund einem halben Jahr in Untersuchungshaft, gehören nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht zur Führungsriege, aber die aufgelisteten Straftaten durchaus zu den szenetypischen: schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung und räuberische Erpressung.

Als Opfer suchten sie sich einen heute 26-Jährigen aus Ueckermünde. Offenbar schien er ihnen als sprudelnde Geldquelle geeignet. Im Januar sollen sie ihn mit Waffengewalt gedroht und mit Fäusten attackiert haben, um ihm ein Messer und ein Handy abzunehmen. Später brachten sie Fernseher, DVD-Player und andere elektronische Geräte an sich und boten ihm an, seine eigenen Sachen für 1500 Euro zurückzukaufen. Obwohl er das Geld zusammenkratzte, bekam er nichts wieder.

Der Vorsitzende Richter sprach gestern von einem "völlig verängstigten" Zeugen, der sehr wohl um die Gefährlichkeit der Szene wusste - aber dennoch im Laufe der Ermittlungen klare Angaben machte. Gestern wurde dem jungen Mann die Aussage erspart. Noch bevor der Prozess begann, hatten sich die beteiligten Juristen auf einen "Deal" geeinigt: Die Angeklagten legen glaubhafte Geständnisse ab, im Gegenzug nennt das Gericht Obergrenzen für die Haftstrafen. So ging dann gestern alles ganz schnell - weitgehende Geständnisse, die der Richter als Ergebnis der Absprache laut ins Protokoll diktierte. Die Angeklagten mussten kaum den Mund aufmachen, Zeugen nicht mehr gehört werden - Plädoyers und Urteilsverkündung folgten bis zur Mittagsstunde. Der mehrfach vorbestrafte T. wird zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und einem Monat verurteilt, muss aber wohl länger sitzen, weil nun der Widerruf von früheren Bewährungsstrafen droht. Der 31-jährige L. soll für drei Jahre hinter Gitter - kann aber erst mal zu Hause warten, bis er aufgefordert wird, seine Haftstrafe anzutreten. F. - nicht vorbestraft und nur für einen Teil der angeklagten Straftaten verurteilt -kommt mit zwei Jahren auf Bewährung davon.

"Sie sollen wissen, dass wir ihnen auf die Finger schauen", sagt die Staatsanwältin nach dem Prozess zu den Ermittlungen im gewalttätigen Rockermilieu. Was ganz zur "Null-Toleranz-Strategie" passt, von der die Landespolizei redet. Die sieht inzwischen einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Rockerkriminalität. Zur Szene zählt sie eigenen Angaben nach auch "rockerähnliche Gruppierungen", wie die Rostocker "Eastcoast Brotherhood", die sich kürzlich vor dem Schweriner Landgericht eine Auseinandersetzung mit Anhängern des "Schwarze Schar MC" lieferte. Beide Gruppen sind augenscheinlich Konkurrenten im Türsteher- und Rotlichtgewerbe und sollen sich zum Teil aus ehemaligen Mitgliedern von Motorradklubs rekrutieren.

Der nächste Prozess scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.