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Ein Artikel der Redaktion NNN

Straftäter in Rostock entkommen Nach Flucht: Klinik steht in der Kritik

Von TOHI | 13.03.2015, 07:00 Uhr

Ralf J. ist Wiederholungstäter – waren Sicherheitsvorkehrungen zu gering?

Nach der Flucht des Häftlings Ralf J. während eines Arzttermins am Montag wächst die Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen der psychiatrischen Klinik. Auch gibt es zwei verschiedene Versionen darüber, wie der 49-Jährige seine Bewacher in der Doberaner Straße überwältigen konnte. Eine davon setzt einen Helfer und einen Fluchtplan voraus.

Recherchen der Norddeutschen Neuesten Nachrichten und der Ostseewelle zufolge soll Ralf J. in seiner Akte als extrem gewalttätig und gefährlich eingestuft worden sein. Demzufolge hat er unter anderem bei einem seiner früheren Zwangsaufenthalte in der Justizvollzugsanstalt Bützow einen Wärter angegriffen und verletzt. Darüber hinaus soll er immer wieder Beamte schwer beleidigt, Streit mit Mitgefangenen angefangen und in seiner Zelle randaliert haben. Im Knast habe Ralf J. deswegen bei jedem Austritt aus seiner Zelle Hand- und Fußfesseln tragen müssen und sei von mindestens drei Justizbeamten eskortiert worden.

Die psychiatrische Klinik hingegen hatte es am Montag bei Hand- und Fußfesseln sowie zwei begleitenden Pflegern belassen. Allerdings waren Ralf J. für einen Gang zur Toilette die Handfesseln abgenommen worden. Ab hier unterscheiden sich die Versionen. Dem offiziellen Bericht zufolge haben seine Pfleger den psychisch Kranken anschließend ohne Handfesseln in einen separaten Raum geführt. Erst dort habe er sich eine Schere gegriffen und einem der Pfleger an die Halsschlagader gepresst.

Der inoffiziellen Version zufolge kam Ralf J. bereits mit der Schere wieder aus der Toilette. Sollte sie stimmen, hätte sie dort von einem Komplizen versteckt worden sein müssen, der ihm auch bei der anschließenden Flucht geholfen haben könnte. „Wir haben erst mal keinen Grund, an der Aussage der direkt Beteiligten zu zweifeln“, so Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Dennoch will der Rechtsausschuss des Landtags am Mittwoch die Ungereimtheiten klären. Bislang waren an der Suche insgesamt 345 Polizisten beteiligt, die mehr als 100 Hinweisen nachgehen.