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Rostock Nach Schweden mit dem Trabbitörn

Von Reiner Frank | 06.01.2010, 01:57 Uhr

Der Seehafen steuert Ende April seinen 50.

Geburtstag an. Ein Aktivposten ist der Fährverkehr. Wenn auch durch die Krise geschmälert, trägt er mehr als die Hälfte zum Gesamtumschlag bei. Für den Schweden-Verkehr übernahm die TR-Line, ein Joint-Venture der Hamburger TT-Line und der heimischen DSR, die Pionierrolle. Die Vorkehrungen begannen im Dezember 1991 in Travemünde, berichtet Uwe Bäßgen, zunächst als stellvertretender Terminalmanager von Anfang an dabei.

Bäßgen kam von der DSR, hatte sich insbesondere um die Anpassung des Ro/Ro-Frachters "Kahle berg" für den Fährdienst auf der Neptun-Werft zu kümmern. So waren die Fahrerkabinen entsprechend einzurichten, eine Cafeteria einzubauen. In Travemünde wurde das Team mit der praktischen Arbeit auf einem Fährterminal vertraut gemacht. Hafenseitig wurde am Liegeplatz 31 ein Ponton aufgebaut und am Liegeplatz 30 die entsprechenden Vorstellflächen geschaffen. Das Gebäude am sogenannten Hansakai, zuvor Domizil von Apotheke, Verkaufseinrichtungen und Traditionskabinett, war für die Abfertigung herzurichten. "Wir waren noch beim Ausbau, da kamen schon die ersten Buchungen. Der Asphalt war noch warm, da rollten die ersten Fahrzeuge an", erinnert sich Uwe Bäßgen rückblickend "auf eine spannende Zeit". Die TR-Line startete am 9. Januar 1992 mit einem Trabbitörn auf der "Marko Polo" (6539 BRZ) aus Rijeka. 226 Trabbis rollten an Bord, mit ihnen etwa 600 Passagiere. Die Rundfahrt des mit seinen Auspuffgasen qualmenden Konvois durch Trelleborg haben die Schweden verschmerzt, hatten sie doch neben der Anbindung an Travemünde nun auch an Rostock eine zweite schwimmende Brücke nach Deutschland bekommen. Als zweites Schiff trat die "Kahleberg" auf der neuen Linie am 15. Januar den Dienst an. Als die "Marko Polo" Ende 1992 wegen Maschinenschaden ausfiel, wurde sie für den Übergang durch die "Winston Churchill" ersetzt. Eine kreuzfahrtähnliche Fähre, die mit ihrer schmalen Heckpforte nur schwer zu beladen war, merkt Bäßgen an. Es folgten die "Diana II", die an Wochenenden auch Bornholm ansteuerte und Frachtfähren wie "Nord Neptunus" und "Saga Star".

Am 1. Juni 1995 schied die DSR als Partner aus, die Relation stand aber nicht lange allein im Zeichen der TT-Line. 1993 war die Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO) gegründet worden. Die Eisenbahnfähren "Rostock" und "Götaland" wurden umgebaut und verlängert. Am 27. Juni 1994 wurde damit der Eisenbahnfährverkehr zwischen Rostock und Trelleborg eröffnet. Nächste Höhepunkte bildeten Mitte Mai 1996 die Indienststellung der TT-Schnellfähre "Delphin" und Ende 1996 die der weltgrößten Kombifähre "Mecklenburg-Vorpommern". Während sie und die 1998 in Dienst gestellte "Skane" noch auf der Route im Einsatz sind, verkehren für TT-Line seit 2001 die Umbauten "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn". Im Zeichen der Krise wurden Abfahrten beider Reedereien gebündelt.

Bäßgen, seit 1994 Terminalmanager in Rostock und seit 1998 auch in Travemünde, leitet seit Herbst vergangenen Jahres bei der Hero die Abteilung Allgemeiner Dienst und damit praktisch den Hafenbetrieb.