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Rostock Nachwuchssorgen bei der Feuerwehr

Von Christine Weber | 26.08.2010, 09:44 Uhr

Während die Suche nach dem geeigneten Standort für die neue Feuerwache im Nordosten in vollem Gange ist, machen sich die freiwilligen Feuerwehrleute in Rostock bereits Sorgen, wie sie die Wache besetzen sollen.

Denn in den Reihen der freiwilligen Brandschützer herrscht bereits jetzt Personalnot.

Neue Leute müssen fit und belastbar sein

"Für die neue Wache in Dierkow oder Toitenwinkel brauchen wir etwa 20 bis 30 Leute", sagt der amtierende Stadtwehrführer Kay Garbe. Sie sollen von dort aus gemeinsam mit den Kameraden der Berufsfeuerwehr zu Einsätzen fahren. Am liebsten möchte Garbe zwischen 16 und 50 Jahre alte Männer und Frauen aus dem Nordosten rekrutieren. Grundvoraussetzungen: Bereitschaft zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit, Interesse an Weiterbildungen, körperliche Fitness. "Besonders die Atemschutzgeräteträger müssen belastbar sein", sagt Garbe.

Je nach Spezialisierungsrichtung dauert der Vorlauf für Neulinge ein bis zwei Jahre. "Mit der Ausbildung müssen wir rechtzeitig anfangen. Deshalb sind wir jetzt schon auf der Suche", so Garbe. Auch Ehemalige sollen angesprochen werden.

Zahl der Einsätze nimmt leicht zu

Das größte Problem aus Sicht des Stadtbrandmeisters: Je nach Lage der neuen Nordost-Feuerwache könnten die bereits bestehenden Wehren personell leiden. "Ich befürchte, dass Männer und Frauen aus Gehlsdorf wechseln könnten", sagt er. Doch auch dort werde jeder Mann und jede Frau gebraucht.

Wie aus einer aktuellen Stellungnahme der Stadtverwaltung hervorgeht, ist die Zahl der aktiven Mitglieder in den fünf freiwilligen Feuerwehren Rostocker Heide, Warnemünde, Groß Klein, Stadtmitte und Gehlsdorf seit Jahren rückläufig. 2005 waren es insgesamt noch 214 Männer und Frauen - inzwischen sind sind es nur noch 197. Die größten Nachwuchssorgen gibt es laut Garbe in Heide. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Einsätze für die Freiwilligen in den vergangenen Jahren erhöht. Beispiel Brände: 2005 rückten die freiwilligen Wehren 30 mal allein aus und 213 mal gemeinsam mit den Berufsbrandschützern. Im vergangenen Jahr waren es schon 256 gemeinsame Einsätze und 52, bei denen die ehrenamtlichen Helfer allein vor Ort waren.

Die Personalknappheit macht sich auch in der Führungsriege der Freiwilligen Feuerwehr bemerkbar: Seit Anfang des Jahres wird ein fester Stadtwehrführer für Rostock gesucht. "Es ist schwierig, jemanden zu finden. Denn so eine Aufgabe kann man nicht nebenbei machen", sagt Garbe, der die Aufgabe selbst kommissarisch übernommen hat. Außerdem stünden in der Zukunft viele Herausforderungen durch Umstrukturierungen an. Ein neuer Stadtwehrführer muss nicht nur bereit sein, sich um Verwaltungsangelegenheiten und Finanzen der Rostocker Wehren zu kümmern. Er muss auch die Koordination mit dem Brandschutz- und Rettungsamt, Wettkampfteilnahmen und Jugendarbeit im Auge behalten sowie die Interessen der fast 200 ehrenamtlichen Helfer gegenüber der Politik vertreten. Auch formale Anforderungen gibt es: Ein geeigneter Kandidat muss nach mindestens sechs Jahren Engagement in einer Freiwilligen Feuerwehr auch Zugführer sein.

"Die Arbeit kostet eine Menge Zeit und Energie", sagt Garbe. Denn auch hier gelte wie bei allen anderen Positionen in der Feuerwehr: "Es gibt keine 50-prozentige, nur 100-prozentige Leistung". Er hofft, dass mit der internen Ausschreibung im September dieses Jahres ein Nachfolger gefunden wird, den alle freiwilligen Wehren der Stadt unterstützen können.