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Zukunftsvision in Rostock Nahverkehr ins Umland gefordert

Von nicp | 07.06.2018, 08:00 Uhr

Ausschüsse aus Stadt und Umland wollen Verkehr optimieren, dafür ist eine Arbeitsgruppe geplant. Innovative Ideen und mutige Verbindungen sind gefordert.

„Der Verkehr ist ausgereizt, was fehlt, ist eine neue Struktur“, konstatiert Eduardo Catalán (FDP/EB) und skizziert damit die einhellige Meinung einer gemeinsamen Sitzung der Bürgerschaftsausschüsse für Bau und Stadtentwicklung sowie des Kreistagsausschusses für Bau und Planung in der vergangenen Woche.

Die hauptsächliche Entlastung des Verkehrs in Stadt und Umland, aber auch zwischen den beiden, könne der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bringen. Rund 17 Prozent aller Wege in der Stadt werden über den ÖPNV zurückgelegt. „Das ist nicht ambitioniert“, sagt Kay Nadonly (Linke, Stadtentwicklung). In Berlin seien es 27, in Wien 38.  Ein Problem sieht er auch in der städtischen Unterstützung. „Wir hatten mal 25 Millionen Euro Zuzahlung. Jetzt sind wir bei 11 Millionen Euro“, sagt Nadolny – obwohl es der Stadt heute finanziell deutlich besser gehe. Andere Städte würden bei geringer Nutzung nicht ihre Angebote zurück-, sondern hochschrauben, um mit besseren Takten mehr Leute zu gewinnen.

Gerade Leute, die aus der Stadt ins Umland ein- und auspendeln, müssten eher für den Nahverkehr gewonnen werden. Heute hätte die Region mehr Verkehr, als vor acht oder zehn Jahren gedacht, sagte Peter Stein (SPD, Kreistagsausschuss) – „15 Prozent mehr Pendler auf Straße und Schiene“. In dem Zusammenhang müssten auch autonomes Fahren und Elektromobilität thematisiert werden, sagt  Catalán. Das Fachwissen darüber gebe es in der Hansestadt. An der Stelle sollten sich Stadt und Umland zusammentun. Aber natürlich müsste der Nahverkehr eine Rolle spielen, führte unter anderem Andrea Krönert (Grüne, Stadtentwicklung) an:  „Dann muss man die Straßenbahn auch mal nach Sievershagen fahren lassen.“ Das hole sicher Verkehr von der Straße. „Ich muss durchgängig fahren können – mit einem Verkehrsmittel, maximal einmal umsteigen“, sonst, so Christian Reinke (SPD, Stadtentwicklung), nutze die Option niemand. Positivbeispiel: Tessin. Die Strecke werde viel stärker genutzt, „weil es eine durchgängige Linie ist“. Man solle, so Reinke, über eine Stadtbahn nachdenken. Am Ende sei so was eine Frage der Finanzierung, sagte Stein. Was möglich ist, wolle er in einem Think Tank – einer Art Denkfabrik – mit Externen zum Thema Verkehr der Zukunft eruieren.

Die Ausschüsse waren in der vergangenen Woche zusammengekommen und besprachen neben dem Mammut-Thema Wohnen auch den Verkehr. In Arbeitsgruppen sollen die Themen künftig vertieft werden.

Rückblick: Die Stadtbahn
Die Idee einer Stadtbahn gab es in Rostock schon Anfang der 2000er. Sie sollte spätestens 2014 zwischen  Bad Doberan, Rostock, Güstrow und Graal-Müritz pendeln, zwischen den verschiedenen Schienen-Systemen hin und her wechseln. So die Vision, die Verkehrsministerium, RSAG und Deutsche Bahn 2007 vertieften. Mit einem Bürgerschaftsbeschluss vom Oktober des Jahres scheiterte das Projekt. Die notwendige Zusage der Stadt sollte an eine Reihe von Bedingungen an das Land gekoppelt werden – unter anderem an eine Risiko-Übernahme. „Forderungen, die das Verkehrsministerium, das sich für eine Stadtbahn in Rostock stark macht, nicht annehmen kann“, schrieb damals die NNN.