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Rostock Niko G. tötet seine Mutter: War es Mord?

Von Ise Alm | 10.05.2012, 08:39 Uhr

Mit einem Fleischklopfer schlägt Nico G.

mit großer Wucht auf den Kopf seiner Mutter. Danach sticht er mit einem 15 Zentimeter langen Messer auf sie ein. Als die Klinge abbricht, nimmt er eine Fleischgabel. "Ich wollte sichergehen, dass meine Mutter auch wirklich tot ist", sagte der 21-Jährige gestern im Landgericht, wo die Schwurgerichtskammer die Hauptverhandlung gegen den Rostocker eröffnete. Er wird beschuldigt, in der Nacht des 8. Januar dieses Jahres seine Mutter Anne G. (44) auf grausame Art getötet zu haben.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft wirft Nico G. in der Anklageschrift vor, er hätte in Tötungsabsicht gehandelt. Anne G. erlitt ein offenes Schädel-Hirntrauma und eine schwere Lungenverletzung. Die Polizei, die erst am frühen Morgen von dem Lebensgefährten der 44-Jährigen, Peter W. (49), benachrichtigt wurde, fand den Angeklagten friedlich schlafend, einen Meter neben seiner toten Mutter. "Wir mussten ihn wecken", sagte ein Polizeihauptkommissar.

Nico G. legte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ab. Seit September 2011 hätten er, seine Mutter und ihr Lebensgefährte in einer Einraumwohnung in Evershagen gelebt. Der Alkohol hätte sowohl bei Peter W. als auch bei seiner Mutter eine große Rolle gespielt. Auch am Tattag sei viel getrunken worden und sie hätten sogar mehrmals Nachschub geholt. Der Angeklagte gab seine eigene Trinkmenge mit zehn Flaschen Bier und zehn großen Gläsern Korn mit Cola an. Es hätte vor der Tat einen heftigen Streit mit seiner Mutter gegeben. Worum es ging, wisse er nicht mehr. Sie gab ihm eine Backpfeife und er hätte zurückgeschlagen. Aber er habe auch "Scheißmutter" zu ihr gesagt, weil sie sich so wenig um ihn und seine Brüder gekümmert habe.

Nico G. gab weiter an, dass seine schwer verletzte oder auch schon tote Mutter auf den Fußboden fiel, als er die Bettdecke unter ihr herausziehen wollte. Damit habe er sie dann zugedeckt. Eigentlich wollte er zur Beruhigung einen Kaffee trinken, dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Er sei weggetreten und erst durch die Polizei geweckt worden. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, warum er so brutal vorging, antwortete der Angeklagte: "Ich wollte verhindern, dass sie die Polizei benachrichtigt." Er habe die Betten abgezogen und seine blutbespritzten Sachen in die Waschmaschine gesteckt. Die Tatwaffen spülte er in der Küche ab. 15 bis 20 Minuten hätte die ganze Tortur gedauert. Der seit 2001 nach einem Unfall im Rollstuhl sitzende Peter W. sagte gestern, dass er alles gesehen habe, der Angeklagte ihm aber das Handy aus der Hand schlug und ihn würgte, als er Hilfe holen wollte. "Du bist der Nächste, wenn du die Klappe nicht hältst", hätte Nico G. zu ihm gesagt.

Für den Vorsitzenden Richter kommt nun an Stelle des Totschlags auch der Vorwurf des Mordes in Betracht. Entweder ein Mord zur Verdeckung einer anderen Straftat oder ein Mord aus niederen Beweggründen, wofür eine lebenslange Haft ausgeurteilt werden könne. Peter W. bezeugte, dass der Angeklagte wenig trinken würde. Das wurde vom Hauptkommissar unterstützt, der am Morgen nach der Tat keine Ausfallerscheinungen beim Angeklagten feststellte. "Nico G. zeigte kein Erstaunen, als wir ihn weckten und erlitt auch keinen Schock. Er war klar orientiert." Der Prozess wird am 16. Mai fortgesetzt.