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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Nordex-Arbeiter zittern um ihre Jobs

Von Torben Hinz/Christine Weber | 12.08.2011, 07:12 Uhr

Gedrückte Stimmung im Nordex-Werk in der Südstadt.

Die Nachricht vom Donnerstag, der Windanlagenbauer plane Entlassungen im großen Stil, müssen die 1000 Rostocker Angestellten erst ein mal verdauen. "Das Arbeitsklima ist heute deutlich anders, schlechter", sagt ein Mitarbeiter am Tag danach. Die Ankündigung ihres Arbeitgebers hat ihn und seine Kollegen völlig unerwartet getroffen.

Nordex hatte bekannt gegeben, bis Jahresende 25 Millionen Euro bei den Personalkosten einsparen zu wollen. Wie viele Mitarbeiter jeweils an den einzelnen Produktionsstandorten betroffen sind, ließ das Unternehmen bislang offen. Klarheit für die Mitarbeiter soll es im Oktober geben. Konzernsprecher Ralf Peters zufolge soll sich die Zahl der am Standort Rostock abzubauenden Stellen deutlich unterhalb von 400 bewegen. Als Grund für die Entlassungen gab Nordex den Preisdruck auf dem Weltmarkt an. Verantwortlich dafür sei die steigende Konkurrenz. Außerdem bleibe die Auftragsentwicklung hinter den bisherigen Erwartungen zurück.

Sparkurs trifft alle Standorte

Nach Angaben von Peters prüfe Nordex momantan europaweit Einsparpotenziale. "Es geht gar nicht um fette Gewinne, sondern darum, keine Verluste zu machen", sagt er. Im ersten Halbjahr 2011 belief sich das Minus auf 4,1 Millionen Euro. Schon im vergangenen Jahr habe Nordex alle Kosten vom Material bis zu Reise- und Beraterkosten gesenkt. "Der letzte Punkt ist, das Personal anzupacken", so Peters. Zudem will das Unternehmen 25 Millionen Euro bei den sonstigen Betriebskosten sparen. Als Schritt zur Effizienzsteigerung nahm Nordex im Juni dieses Jahres eine Fließfertigungsanlage in Betrieb. Laut Peters stehe das aber nicht im Zusammenhang mit den jetzt angekündigten Entlassungen.

Mit Unverständnis reagiert die Gewerkschaft IG Metall Küste auf den geplanten Stellenabbau. "Uns hat die Nachricht ebenso überrascht wie viele Nordex-Mitarbeiter. Vor allem, weil das Unternehmen nach wie vor mit Gewinnen rechnet", sagt Gewerkschaftssprecher Heiko Messerschmidt. Der Schritt des börsennotierten Unternehmens, Personalkosten einzusparen, bedeute einen Einschnitt in der Entwicklung der Windenergie-Branche, die in letzter Zeit geradezu geboomt habe.

Die Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK) glaubt weiter an den Aufschwung des Wirtschaftszweiges. Die Kammer hofft, dass es zu keinem Personalabbau in der Produktion in Rostock kommen wird, da die Windenergiebranche generell ein Wachstumsmarkt sei. Inwieweit der angekündigte Stellenabbau bei Nordex sich auf das Klima innerhalb der Branche und auf Zulieferbetriebe in der Region Rostock auswirken wird, ist noch völlig unklar.