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Warnemünde Nordic Yards legt Prototyp ins Dock

Von Torben Hinz | 15.09.2011, 06:17 Uhr

Mit dem Bau der Offshore-Konverterplattform "Borwin beta" will Nordic Yards Geschichte schreiben.

Die Besonderheit: Der Prototyp installiert sich auf hoher See selbst, ohne auf die Hilfe eines Spezialschiffes angewiesen zu sein. Gestern nahm die Werft in Warnemünde die Docklegung der Topsite vor. Das ist der oberhalb der Wasseroberfläche gelegene Teil der Plattform. Die Docklegung der unteren Hälfte, des Baseframes, soll in vier bis sechs Wochen am Standort Wismar erfolgen. Das Projekt beschäftigt 500 Werftarbeiter sowie 150 Mitarbeiter von Auftraggeber Siemens Energy.

"Die Topsite wird etwa 20 Meter über der Wasseroberfläche installiert, sodass auch die Jahrhundertwelle ohne Probleme drunter durch könnte", sagt Nordic-Projektmanager Hans-Otto Schmiedeberg. Bis dahin allerdings wird in Warnemünde noch fleißig geschweißt und geschraubt. Schon im Spätherbst soll die 340 mal 54 Meter große Plattform so weit sein, dass die Siemens-Arbeiter die elektrotechnischen Komponenten für die spätere Hochspannungs-Gleichstromübertragung zum Festland aufsetzen können.

Im Sommer 2012 werden Baseframe und Topsite dann auf Pontons an ihren Bestimmungsstandort in der Nordsee geschleppt. "Die Baseframe wird als erstes mit Piles 20 bis 40 Meter tief im Grund verankert", sagt Schmiedeberg. Dann folgt die Topsite, deren Füße in die Baseframe einrasten und dann die Plattform in die Höhe heben. Sie beherbergt neben zwei Leistungstransormatoren, Kabelsträngen und gasisolierten Hochspannungsschaltanlagen auch Unterkünfte für das Wartungspersonal. Nach einer Testphase soll die Anlage 2013 in normalen Betrieb übergehen.

"Es gibt viele neue technische Anforderungen, denen wir begegnen müssen", sagt Schmiedeberg. Für den mehr als 100 Kilometer langen Transport des Stroms zum Festland beispielsweise muss dieser von Wechsel- in Gleichstrom umgewandelt werden. Das minimiert den Verlust. Für diesen Zweck werden Borwin beta und ein landseitiges Umrichterwerk errichtet.

"So eine Plattform hat noch nie jemand gebaut", sagt Lars Kläschen, Siemens-Pressesprecher. Neben Nordic Yards gebe es nur ganz wenige Werften, die dazu in der Lage seien. Die Werft verspricht sich von der Zusammenarbeit daher auch neue Aufträge. Derzeit sind bei der Werft 900 Angestellte beschäftigt. Langfristiges Ziel sind wieder 1200 Mitarbeiter.

Siemens Energy wurde vom niederländischen Netzbetreiber und Investor Tennet als Subunternehmer mit der Projektbetreuung betraut. Als Konsortium mit dem Kabelhersteller Prysmian Powerlink übernimmt die Firma den Netzausbau für das Offshore-Windkraft-Projekt Borwin 2.

>> HINTERGRUND: 800 Megawatt Leistung

Die Umrichterstation Borwin beta ist Bestandteil des Projekts Borwin2 des niederländischen Übertragungsnetzbetreibers Tennet und kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Über sie wird Strom ans Festland geliefert, der in den beiden Offshore-Windparks Veja Mate und Global Tech I gewonnen wird. So können dauerhaft 800 Megawatt erneuerbarer Energie in das deutsche Stromnetz eingespeist werden. Das entspricht etwa dem Strombedarf Frankfurts am Main. Zu diesem Zweck wird die Plattform rund 125 Kilometer vor der deutschen Nordseeküste verankert, nordwestlich der Insel Borkum.