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Rudern „Ich habe mit Tokio abgeschlossen“

Von Peter Richter | 24.11.2019, 13:45 Uhr

Dennoch gibt Christin Stöhner nicht auf und will bei der Kaderüberprüfung in Dortmund ein Top-Ergo-Ergebnis liefern.

Ein Großteil der deutschen Ruder-Elite trifft sich nächstes Wochenende in Dortmund zur Kaderüberprüfung. Anberaumt sind wie üblich ein Ergometer-Test (2000 Meter/Sonnabend) sowie die Langstrecke (sechs Kilometer auf dem Dortmund-Ems-Kanal/Sonntag).

Mit dabei ist Christin Stöhner vom Olympischen Ruder-Club Rostock.

Nach dem enttäuschenden Abschneiden 2019 des weiblichen Riemenbereichs sowie der bisher Nicht-Qualifikation für Olympia 2020 in

Tokio war die Mannschaftsgröße reduziert worden; der Fokus soll auf dem Zweier und Vierer ohne Steuerfrau liegen. Die bisherige Stammkraft Stöhner spielt in den Planungen keine Rolle. Sie wurde im wahrsten Sinne des Wortes „ausgebootet“.

„Wie die anderen betroffenen Sportlerinnen habe auch ich eine sehr unpersönliche Mail erhalten, die adressiert war mit: Lieber Athlet… und in der stand, dass ich in dieser Saison am Bundesstützpunkt Potsdam nicht benötigt werde. Das war auch die einzige Info, die ich von unserem Bundestrainer Tom Morris seit der WM bekommen habe“, berichtet die 22-Jährige.

Anfangs habe der Australier „viel Transparenz versprochen, viel mit uns geredet. Aber wie jetzt hier mit uns umgegangen wird, widerspricht dem ja völlig. Es mag sein, dass es ihm nicht reichte, was ich 2019 gezeigt habe, aber das kann ich nur mutmaßen. Ich bin enttäuscht, ohne Begründung so abserviert zu werden. Das ist ziemlich ernüchternd.“

Obwohl sie die Dinge realistisch sieht („Ich habe mit Tokio abgeschlossen“) und hinsichtlich 2020 im Moment wenig Motivierendes erkennbar ist – zumal die Alternative U 23 für sie jetzt altersbedingt nicht mehr in Betracht kommt –, stellt Christin Stöhner den Riemen nicht in die Ecke. Sie hat sich fürs Weitermachen entschieden.

Davon abgesehen wird sie jetzt erst einmal ihrem Medizin-Studium Priorität einräumen und im Sommer ihr Physikum in Angriff nehmen: eine Reihe von Klausuren (sechs Fächer) an zwei Tagen, dazu eine mündliche Prüfung, in der der gesamte Inhalt ihrer bisherigen Studienzeit abgefragt wird. „Das ist eine Hürde, die man erst mal überwinden muss, damit es überhaupt weitergeht“, sagt die Lichtenhägerin.

Gleichwohl wird Christin Stöhner am Sonnabend in Dortmund angriffslustig das Concept2-Gerät besteigen: „Ich biete mich weiter an, auch wenn sie mich scheinbar nicht haben wollen. Ich habe mir vorgenommen, einen bestmöglichen Ergo-Test abzuliefern, um ins Gedächtnis zu rufen, dass ich trotzdem weiterkämpfe.“

Für Marie-Louise Dräger, die für die Schweriner RG von 1874/75 startende Rostockerin, und ihre Partnerin im Leichtgewichts-Doppelzweier Ronja Fini Sturm aus Brandenburg hat die Wochenend-Maßnahme nicht unbedingt Priorität. Natürlich habe sie sich, versichert die 38-Jährige, einiges vorgenommen: „Solange es Fini ist – wenn sie einen Lauf hat –, habe ich nichts dagegen, ansonsten will ich die nationale Konkurrenz auf dem Wasser aber hinter mir lassen. Am wichtigsten für uns ist je-doch das nationale Ausscheidungsrennen Ende Februar in Montemor-o-Velho in Portugal“, betont Marie ihre Hoffnung, sich noch für Tokio qualifizieren zu können.