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Ein Artikel der Redaktion NNN

Streben nach Gerechtigkeit Pastoren fordern mehr Solidarität in Rostock

Von joro | 26.05.2015, 10:00 Uhr

Open-Air-Gottesdienst der christlichen Gemeinden in Rostock steht unter dem Motto „Gib mir zu trinken“

Pastor Marcus Antonioli von der Heiligen-Geist-Gemeinde ruft die Rostocker zu mehr Solidarität innerhalb der Stadtgesellschaft auf. Vorbild dabei könnten die Bewohner des Asylbewerberheims in der Satower Straße sein, so der Theologe gestern beim ökumenischen Open-Air-Gottesdienst auf dem Jakobikirchplatz. „Die Menschen dort leben mit einer großen Ungewissheit. Sie entstammen unterschiedlichen Nationen und dennoch klappt das Zusammenleben, weil sie alle das gleiche Elementarverlangen haben: das Streben nach Gerechtigkeit und Freiheit“, sagt Antonioli.

Spannungen innerhalb der Gesellschaft habe es schon zu Lebzeiten Jesu gegeben, wie dessen in der Bibel überliefertes Aufeinandertreffen mit einer Samariterin zeige. Samariter und Juden gingen sich aus dem Weg, verfolgten unterschiedliche Glaubensansätze. Dennoch habe Jesus die Frau um etwas zu Trinken gebeten, als sie aus dem Jakobsbrunnen Wasser schöpfte. Damit brach er gleich mehrere Tabus. Es kommt zu einem Gespräch, die Spannungen zwischen den Konfessionen, die kulturelle und religiöse Frontstellung zwischen Juden und Samaritern wird aufgebrochen.

Diese Geschichte ist Grundlage der diesjährigen weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen, in deren Kontext der Gottesdienst unter freiem Himmel stand. Der Themenvorschlag „Gib mir zu trinken“ stammt von einer Gruppe brasilianischer Christen, sagt Tilman Jeremias, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Innenstadtgemeinde. Jedem Bittenden Wasser zu geben sei ein Zeichen des Willkommens und der Gastfreundschaft. „Wir schöpfen gemeinsam aus den gleichen lebensspendenden Quellen des Glaubens“, so Jeremias. Während des Gottesdienstes wurde daran erinnert, dass der Erfahrungsaustausch mit anderen, auch mit Angehörigen anderer Religionen oder Kulturen, das Leben bereichert. „Der Lebensdurst in unserer Gesellschaft ist riesig. Immer mehr überfordern sich und bleiben als Durstige zurück“, sagt Marcus Antonioli.