Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Paul K. lebte unauffällig - bis er zustach

Von Ise Alm | 16.05.2013, 07:11 Uhr

Im Mordprozess gegen Paul K.

(23) hatten gestern die Sachverständigen das Wort. Fazit des psychiatrischen Gutachters Dr. Stefan Orlob: "Der Angeklagte ist schuldfähig." Paul K. wird vorgeworfen, am 10. November 2012 die ukrainische Prostituierte Yana M. in der Doberaner Straße grausam ermordet zu haben. Er gestand die Tat bereits am ersten Prozesstag.

Bis zum November 2012 führte der Angeklagte ein ganz normales Leben. Er schloss die Realschule ab, hatte trotz Trennung der Eltern ein gutes Verhältnis zu Vater und Mutter und ein ganz besonderes zu den Großeltern. Eine Lehre als Mechatroniker bei MAN brach er im dritten Jahr ab. Im Globus-Markt fand er eine neue Ausbildungsstelle als Fleischer. In seiner Freizeit spielte er Rugby, las viel und war Mitglied einer Rockband. Er ist nicht vorbestraft. Aber Paul K. stand auf käuflichen Sex, besuchte hin und wieder Prostituierte in so genannten Modellwohnungen.

Der Angeklagte leide an keiner psychischen oder anderen Erkrankung, so Gutachter Orlob. Es sei ebenso keine Gewaltbereitschaft zu erkennen. Paul K. leidet an keiner Persönlichkeitsstörung, keiner Intelligenzminderung, auch an keiner Suchtproblematik oder seelischen Abartigkeit. Eine Bewusstseinsstörung zur Tatzeit schloss der Psychiater aus.

Und doch wollte Paul K. beobachten, wie ein Mensch stirbt. Das jedenfalls sagte er in seinem Geständnis. Seit zwei Jahren sei er von Tötungsfantasien geplagt worden. "Ich habe mich selber gestellt, weil ich annehme, dass ich das noch einmal machen könnte", sagte er. Das wollte auch Orlob nicht ausschließen, denn "das, was der Angeklagte beim Töten erwartet hatte, sei nicht eingetreten". Der 22-Jährige sei ein organisierter Täter mit einer kalten Aggression, so der Psychiater. Er empfahl eine Therapie, damit sich Paul K. mit der Tat auseinandersetzen könne - und um zu klären, warum er das Bedürfnis hat, zu töten.

Der medizinische Sachverständige Dr. Ulrich Hammer erklärte, auf welche Art das Opfer zu Tode kam. Zunächst stach Paul K. der 52-Jährigen mit einem 18 Zentimeter langen Filetiermesser tief in den Bauch, dann dreimal in den Rücken, wobei er die Rippen durchtrennte und Lunge sowie Milz verletzte. Anschließend schnitt er ihr mit drei Ansätzen den Hals bis zur Wirbelsäule durch. Yana M. verblutete. Das Urteil wird am 3. Juni verkündet.