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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Peil-Sender spürt jedes Wildschwein auf

Von Johanna Tyrell | 27.09.2012, 10:23 Uhr

Ein metallenes Rasseln, ein Knall - die Falle ist zu.

"Ha!", ruft Dr. Hinrich Zoller und klatscht in die Hände. "Und für das Wildschwein gäb’s kein Entkommen mehr." Der Biologe der Universität Rostock präsentiert stolz die große Lebendfalle, mit deren Hilfe künftig die Schweine gefangen, mit Ohrmarken und Peil-Sendern versehen und dann wieder in die Freiheit entlassen werden. Denn Zoller sucht in Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt nach neuen Strategien, der Wildschweinplage in und um die Hansestadt Herr zu werden. Denn die Population hat sich in den vergangenen Jahren europaweit dramatisch vergrößert. "Während nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland noch 36 000 Schweine im Jahr geschossen wurden, sind es inzwischen rund 650 000", weiß Zoller. Die Gründe: Zu warme Winter, in denen die Wildschweine nicht hungern müssen, und der starke Maisanbau. Für die Tiere nicht nur kulinarisch ein Schlaraffenland, sondern auch ein gutes Versteck. "Die Schweine sind fetter und da ihre Geschlechtsreife nicht vom Alter, sondern vom Gewicht abhängig ist, steigt die Population immer weiter an." Die Folge: Die anpassungsfähigen Borstentiere drängen in die Städte. Die wirtschaftlichen Schäden sind groß. "In den vergangenen Jahren haben die Wildschweine auf dem Rostocker Stadtgebiet einen Schaden von rund 100 000 Euro verursacht - und da sind noch nicht die Zerstörungen in Kleingartensiedlungen und Wohngebieten mit eingerechnet", so Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth. Die bisherigen Bemühungen, der Plage Herr zu werden, zeigten kaum Erfolg. Das soll sich nun ändern.

Zoller wird dazu durch Fotofallen und mittels Peil-Sendern die Wildschweindichte bestimmen und eine Art Bewegungsprofil erstellen. "Wir wollen herausfinden, wo sie sich auf dem Stadtgebiet verstecken, wann sie auf Nahrungssuche gehen oder wie sie auf Störungen, beispielsweise durch Bejagung reagieren", erklärt Zoller. "Es geht nicht darum, möglichst viele Schweine zu erlegen, sondern um Präventionsarbeit." Ziel des dreijährigen Programmes ist es, Strategien gegen die steigende Schweinepopulation zu entwickeln. Und auch die Rostocker können den Kampf gegen die Wildschweine unterstützen: "Wichtig ist es, dass die Tiere auf keinen Fall gefüttert werden, nicht an Komposthaufen herankönnen und die Gärten gut eingezäunt sind", erklärt Stadtforstamtsleiter Harmuth.