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Rostock Platznot am Bürgersteig

Von Juliane Haendschke, Katharina Krause | 21.08.2009, 09:25 Uhr

Kaum ein Durchkommen im Bahnhofsviertel: Autos parken die Straßen zu. Die Georg-Büchner-Straße ist oft so dicht, dass Feuerwehrautos nicht zum Einsatzort kommen. Deshalb sollen ab November 200 Parkplätze wegfallen - zum Ärger der Anwohner.

"Zu radikal" findet Anwohnerin Helga Kadatz den Wegfall von rund 200 Pkw-Stellflächen in einem Teil des Bahnhofsviertels - verwaltungstechnisch jetzt als Gebiet A4 ausgewiesen. Die Parkplatzsituation zwischen Herweghstraße, Schwaaner Landstraße und Rosa-Luxemburg-Straße ist beengt. "Wenn wir unser Auto wegfahren, müssen wir jetzt schon suchen, um einen neuen Stellplatz zu bekommen", sagt die 63-Jährige. Ab 1. November wird sie zusätzlich einen Anwohnerparkausweis brauchen. Kostenpunkt: 30 Euro pro Jahr.

Ab November zur Kasse gebeten"Anwohner werden dann bevorzugt", sagt Ute Kulf, Sachbearbeiterin für Verkehrsplanung im Tief- und Hafenbauamt. Feuerwehr und Müllabfuhr haben sich im Vorfeld beklagt. In manchen Straßen ist einfach kein Durchkommen. Jetzt greift die Stadtverwaltung durch. Hier heißt es: Sie ordnet den ruhenden Verkehr im Gebiet A4 neu. "Das klingt sehr schnöde", sagt Hans-Joachim Biermann vom Tiefbauamt. Aber seine Mitarbeiter haben sich viele Gedanken gemacht, und jetzt müssen alle probieren, ob die angedachte Lösung aufgehe.

Beidseitiges Parken wird ab November verboten. Nur noch auf einer Straßenseite dürfen Autofahrer dann ihr Kfz abstellen. Fahrbahnmarkierungen und Verkehrsschilder stellen Stadtmitarbeiter schon im September auf. "Damit sich alle daran gewöhnen können", erklärt Biermann.

Die ersten reagieren schon: Das Parkhaus Schwaaner Landstraße Ecke Herweghstraße wirbt mit Plätzen für Dauerparker. Mitarbeiter des nachbarschaftlichen Callcenters kurven schon jetzt auf Parkplatzsuche durch das Viertel. Sie werden es in Zukunft schwer haben, meint Verkehrsexperte Biermann. "Die Stadt ist nicht verpflichtet, allen Arbeitnehmern einen Stellplatz zu garantieren."

Die Situation werde sich dennoch verschärfen, meint Anwohner Rene Köbsel. "Tagsüber stehen für Ansässige dann jedoch genügend Stellplätze zur Verfügung", sagt Biermann. Das ganze Viertel wird zur Parkverbotszone erklärt und die gilt ab November von 7 bis 9 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Anwohner mit entsprechenden Ausweisen dürfen natürlich stehen bleiben - alle anderen müssen weichen. Gewerbetreibende, Freiberufler und Sozialdienste erhalten Sondergenehmigungen. "Die gibt es im Stadtamt Südstadt", sagt Biermann. Drei Kennzeichen pro Parkkarte sind möglich.

Für Besucher, Patienten und Kunden stellt die Hansestadt Parkscheinautomaten auf. Bis zu zwei Stunden darf das eigene Auto dann am Straßenrand abgestellt werden.

Oft zu eng für PkwsAm fließenden Verkehr ändere sich nichts, alles bleibe wie gehabt, so die Aussage Biermanns. Dessen Kollegin Kulf bezeichnet den vorliegenden Plan als "gute Mischung aus Beschränkung und Freiheiten".

Anwohnerin Kadatz behält ihre Skepsis. Auf der Ecke Baleckestraße und Herweghstraße parken Autos schon jetzt wie Kraut und Rüben. "An jener Stelle macht es Sinn, wenn die Stadt durchgreift", sagt sie. Und auch in der Georg-Büchner-Straße sei es oft so eng, dass selbst Pkw Probleme hätten. Dennoch denkt sie, dass es auch andere Lösungen geben würde, als die derzeitige.