Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Demos in Groß Klein Polizei setzt Pfefferspray ein

Von Stefan Menzel | 22.02.2019, 23:08 Uhr

Initiative „Vereint für Stralsund“ trifft mit 100 Demonstranten auf 200 Gegner. Insgesamt verlaufen die Proteste aber friedlich.

Die Groß Kleiner lassen sich nicht aus der Ruhe bringen: Vollbepackt wie immer an einem Freitagnachmittag verlassen die Anwohner den Rewe-Markt im Schiffbauerring. Ganz in der Nähe an der Kreuzung Albrecht-Tischbein-Straße und Kleiner Warnowdamm wurde von der Stadt eine Kundgebung der Initiative „Vereint für Stralsund“ genehmigt.

Zunächst sieht alles nach einem friedlichen Abend aus. Beim Wintermarkt Groß Klein für alle in der Nähe der Ospa im Schiffbauerring wird in einem kleinen Zelt Tee und Kaffee ausgeschenkt, die Feuerwehr ist mit einem Fahrzeug da. Währenddessen sammeln sich etwa 200 Gegendemonstranten in der Nähe des Einkaufs-Centers Klenow Tor, um gegen die rechtsgerichtete Kundgebung zu demonstrieren.

Jeder Teilnehmer kann sich äußern

Rainer Albrecht, Anmelder der Gegenkundgebung und Abgeordneter der SPD-Landtagsfraktion, hatte zur Teilnahme aufgerufen: „Ich finde es sehr gut, dass so viele Menschen sich zusammengefunden haben, um gegen den braunen Mob Flagge zu zeigen.“

Die Polizei geleitete in der Zwischenzeit die etwa 100 Anhänger der Initiative entlang der Albrecht-Tischbein-Straße zum Kundgebungsort. Ein Dutzend Deutschlandfahnen und ein Banner sind zu sehen. Angesprochen mit „liebe Patrioten, liebe Rostocker“, werden die Versammlungsauflagen verlesen. Anders als bei Demonstrationen der AfD 2018 in Rostock sind keine festen Redebeiträge vorgesehen. Jeder Teilnehmer kann sich zu vermeintlichen Missständen äußern.

Deutliche Worte der Demonstranten und spontaner Protest

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten mit dem Mikrofon sind die politischen Forderungen der Demonstranten deutlich zu verstehen: Sie richten sich gegen den geplanten Moschee-Bau in Rostock und eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen. Sie sprechen sich für die Wahl der AfD aus. Die Redebeiträge enden meist mit „Das ist unser Land“-, „Lügenpresse“- oder „Wir sind das Volk“-Sprechchören.

Den Gegendemonstranten wird in der Nähe des Supermarktes Lidl in der Albrecht-Tischbein-Straße ein spontaner Protest genehmigt. Matthias Siems, Geschäftsführer des Vereins Bunt statt braun, zeigt sich dennoch enttäuscht: „Ich finde es schade, dass wir dieses Mal nicht in Hör- und Sichtweite zur Kundgebung demonstrieren können.“ Durch mehrere Polizeifahrzeuge ist den Gegendemonstranten ein weiteres Vorankommen versperrt.

Mindestens drei leicht Verletzte

Gegen 20.30 Uhr versuchten etwa 20 vermutlich dem linken Lager zuzurechnende Personen die Polizeikette zu durchbrechen. Laut Polizei habe dabei ein Demonstrant einen Schirm gegen einen Beamten eingesetzt.

Eine kurze Auseinandersetzung folgte. Die Polizei setze Pfefferspray ein, wodurch mindestens drei Gegendemonstranten augenscheinlich leicht verletzt wurden. Ein Demonstrant wurde festgesetzt, eine Festnahme bisher aber nicht bestätigt.

Eine ursprünglich von der Initiative „Vereint für Rostock“ angemeldete Demonstration wurde von der Stadt untersagt, da der Anmelder vorbestraft gewesen sei.